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Rolf von Siebenthal – Schlagzeile

Rolf von Siebenthal - SchlagzeileDer Tod einer Journalistin wühlt die Redaktion des Liestaler Tagblatts auf. Max Bollag ist überzeugt davon, dass seine Kollegin wegen einer Recherchearbeit sterben musste. Gemeinsam mit einer jungen Volontärin macht er sich auf die Suche nach dem Täter. Sie kommen einem Ring von skrupellosen Betrügern auf die Spur und dringen in dessen Netz ein. Bollag nähert sich der Wahrheit und wittert eine große Story. Erst spät merkt er, dass er sie mit seinem Leben bezahlen könnte.

Rezension

Tanja Schneider, eine engagierte und gute Journalistin des Liestaler Tagblatts stirbt bei einem Autounfall. Ihr Kollege Max Bollag glaubt von Beginn an nicht an einen Unfall. Schneiders bisherige Arbeit hat ihr schließlich nicht nur einen hervorragenden Ruf eingebracht, sondern auch eine Menge Gegner. Bollag weiß, was das heißt, schließlich hat er selbst schon genug Leuten mit gut recherchierten Artikeln Feuer unterm Hintern gemacht.

Bollag, dieser Terrier, war an normalen Tagen eine Nervensäge. Nach dem Tod einer Kollegin würde der sich zu einer biblischen Plage entwickeln.

Mit Hilfe der Volontärin Rebecca Tobler versucht Bollag, die letzten Recherchen der Kollegin nachzuvollziehen. Ihre einzige vernünftige Spur: Versicherungsbetrug mit fingierten Autounfällen. Da geht es um eine Menge Geld und ein gutes Netzwerk. Aber reicht das für einen Mord? Ihr heißer Verdacht: Der neue Erste Staatsanwalt Baumann. Der trumpft mit höchsten Verurteilungsquoten auf, aber auch merkwürdigen Methoden. War Schneider ihm auf den Fersen? Bollags rätselhaftester Hinweis ist ein Roman von Marcel Proust, den Schneider ihm hinterlassen hat: À la recherche du temps perdu. Dumm nur, dass er damit überhaupt nichts anfangen kann.

Von Siebenthal siedelt seinen Krimi in einem Milieu an, das hartnäckige Recherchen verinnerlicht hat: Die Presse. Mit Max Bollag und Tanja Schneider vertreten durch zwei Charaktere, die mit solide recherchierten Artikeln Fehler und Probleme aufgedeckt hatten. In der Region, in der Wirtschaft und Bollag auch in der Berner Politik. So ein Querdenker wird es folglich schwer haben. Mit dem neuen Verleger des Tagblatts zum Beispiel, ein konservativer Ständerat, der sich aus Propagandagründen eine eigene Radiosendung leistet; mit dem neuen Staatsanwalt, der mit Bollag seit Kindertagen eine Rechnung offen hat.

Die Schweiz ist ein Schleudertrauma-Paradies. Jedes Jahr stellen die Ärzte diese Diagnose 25.000-mal — das ist mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Eine gute ärztliche Versorgung bietet die Grundlage für die fingierten Verkehrsunfälle, die innerhalb der letzten Jahre in die Schweiz schwappten, und das besonders in der Region Basel, wo auch der Krimi spielt. Da fällt ein Schleudertrauma mehr oder weniger nicht auf. Von Siebenthal betont in seinen Anmerkungen, dass die Folgekosten dieses Diagnosetrends von Experten auf über eine Milliarde Franken jährlich geschätzt werden. Als mögliches Mordmotiv wird die Unfallmafia gut gemischt mit den kritischen Nebenfiguren, die ebenso genug Stoff für eine Schneider-Story hergegeben hätten.

Von Siebenthal schreibt flott und bringt in den 250 Seiten viel unter. Regelmäßig wechselt die Perspektive von Kapitel zu Kapitel, was für einen guten Leserhythmus und kurzweilige Spannung sorgt. Für die Akten: Schlagzeile ist der dritte Krimi um Max Bollag.

Bibliografische Angaben

Verlag: Gmeiner
ISBN: 978-3-8392-4784-6
Erstveröffentlichung: 2015

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