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Tim Parks – Der ehrgeizige Mr. Duckworth

Tim Parks - Der ehrgeizige Mr. DuckworthTim Parks Krimitrilogie: Der Aufstieg eines skrupellosen Hochstaplers in Verona. Morris Duckworth ist von seiner eigenen Genialität und moralischen Untadeligkeit felsenfest überzeugt. Wenn er also ein Durchschnittsleben auf unterstem ökonomischen Niveau führen muss, sind andere schuld. Um reich zu werden und in die gute Gesellschaft Veronas aufzusteigen, schreckt er vor nichts zurück. Erpressung und Entführung, Mord und Totschlag sind manchmal einfach unvermeidlich. Morris Duckworth kann in aller Unschuld einfach nicht verstehen, warum andere Leute reich sind und er nicht. Massimina Trevisan, die reich ist, versteht in aller Unschuld nicht, warum sie Morris nicht auch noch haben kann. In einem heißen italienischen Sommer brechen die beiden zu einer Reise auf, bei der alle Unschuld auf der Strecke bleibt.

Rezension

Morris Duckworth ist ein mächtig eingebildeter Zeitgenosse. Nach erfolglosen Jahren an der Universität und im Beruf schlägt er sich als Englischlehrer in Verona durch. Dabei ist er davon überzeugt, ein brillanter Kopf zu sein, der Besseres verdient. Er ist sich für so ziemlich alles zu gut, lässt sich aber die Anhimmelei einer seiner Schülerinnen gefallen. Zweisamkeit interessiert ihn zwar nicht allzu sehr, aber es schmeichelt ihm ungeheuer, dass die Tochter aus einem der besten Häuser Veronas Interesse an ihm zeigt. Nur die Familie mag von der Liaison nichts hören und untersagt der Tochter den Umgang. Mit verheerenden Konsequenzen, denn die 17-jährige Massimina brennt mit Morris kurzerhand durch.

Nein, es war wirklich beschissen. … Hinsichtlich einer künftigen Karriere, finanzieller Erfolge oder eines gewissen gesellschaftlichen Aufstiegs waren die letzten zweieinhalb Jahre vollkommen verschwendet gewesen. Schlimmer noch, er war erschöpft und von all diesen Privatstunden völlig verblödet. So viel Mittelmäßigkeit und Langeweile. Hatte er auch nur einen einzigen intelligenten Schüler? Wusste auch nur einer von ihnen seine außergewöhnlichen Talente zu schätzen? Hatte auch nur einer von ihnen die leiseste Ahnung von seinem wahren Format?

Während Massimina den Trip genießt, wird es für Morris eine Zerreißprobe. Das Mädchen glaubt sich auf einer romantischen Tour durch Italien, schickt regelmäßig Postkarten nach Hause und will Morris an ihrem achtzehnten Geburtstag umgehend heiraten und schwanger werden. Morris hingegen nimmt die Chance wahr, die ersehnte finanzielle und gesellschaftliche Karriere voranzubringen. Er inszeniert eine Entführung, fängt sämtliche Postkarten ab, schreibt statt dessen Erpresserbriefe und muss schrecklich aufpassen, dass sie nirgends erkannt werden.

Die Improvisation birgt Tücken: Morris muss irgendwann die ersten Zeugen opfern, um sein Spiel weitertreiben zu können und eines Tages kommt auch Massimina dahinter, dass Morris mit der Italienreise ganz andere Pläne verfolgt hatte als sie.

Das Mädchen wusste dazu natürlich nichts zu sagen. Man konnte ihr das kaum vorwerfen. Es war wohl ein bisschen viel, wenn man von seinem Entführungsopfer auch noch verlangte, dass es einen angenehm und intelligent unterhielt und alle kleinen Minderwertigkeitskomplexe ausbügelte, die man mit sich herumschleppte.

Irgendwie muss wohl ein Stück von Tim Parks in Morris Duckworth stecken, der selbst in den 1980er Jahren nach Italien ging und als schlecht bezahlter Englischlehrer arbeitete. Trotzdem gewinnt man streckenweise den Eindruck, Parks könne Duckworth so gar nicht leiden. Dem Plot zuliebe übertreibt er bald zuhauf und spendiert dem Lackaffen Morris ein kriminelle Laufbahn. Der ach so kluge Kopf gerät mit seiner Doppelrolle als romatischer Liebhaber und berechnender Erpresser heftig ins Schwitzen.

Duckworth ist unsympathisch, eingebildet, an nichts interessiert außer sich selbst. Und obendrein schlägt Parks mit Extraproblemen bei der Entführung auf ihn ein. Das kann einem das Buch über längere Strecken so richtig madig machen. Erträgt man das Selbstmitleid tapfer bis zum Ende, gibt’s eine handfeste Überraschung! Die rettet nicht das Buch, aber immerhin den Vorsatz, sich auch noch mit dem zweiten Band zu befassen. Vielleicht wird’s da munterer.

Bibliografische Angaben

Verlag: Kunstmann
ISBN: 978-3-88897-930-9
Originaltitel: Cara Massimina
Erstveröffentlichung: 1990
Deutsche Erstveröffentlichung: 1991
Übersetzung: Lutz-W. Wolff

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