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Urs Schaub – Die Schneckeninsel

Urs Schaub - Die SchneckeninselDrei Selbstmorde und zu viele Heimlichkeiten im reichen Mädcheninternat am idyllischen See. Tanner heuert als Koch an. Innerhalb von neun Jahren haben sich drei Frauen im  Nobelinternat für Mädchen in den Bergen umgebracht, da ist etwas faul, so viel ist Serge Michel von der Berner Mordkommission klar. Da dort gerade eine Ferienvertretung des Kochs gesucht wird, bittet er seinen Freund Simon Tanner, als solche anzuheuern und sich umzusehen.

Es klappt, und tatsächlich, etwas stimmt nicht, das ist mit Händen zu greifen. Keiner weiss genau, wann der Direktor von einem Kongress in Stockholm zurückkommt. Einem Schneckenkongress, denn ihn  interessierten  nur Schnecken, das Sagen im schlossähnlichen  Haus am See habe sowieso seine Mutter und diese sei der Teufel persönlich, versichert ein seltsames Mädchen. Und will der zu vertretende Koch wirklich angeln gehen? Als erstes putzt Tanner die Küche und krempelt den Speiseplan um, zur augenblicklichen Begeisterung aller. Dann steht schon der nächste Tote ins Haus.

Rezension

Mitten in der Schweiz, idyllisch gelegen an einem türkisblauen See, steht ein Mädcheninternat. Es könnte so schön sein, doch in den letzten Jahren begangen hier drei Mitarbeiterinnen Selbstmord. Die Polizei findet das zwar auffällig, hat aber keine Möglichkeit, aktiv zu ermitteln. Also nutzt sie die Chance, als eine Ferienvertretung für den Hauskoch gesucht wird. Da muss Simon Tanner ran, ein ehemaliger Kommissar, der die Position glaubwürdig vertreten kann.

Seine ersten Tage geraten so seltsam, wie es der Platz verspricht: Der Rektor Willem de Klerk weilt auf einem Kongress in Schweden, aber keiner weiß, wann er zurückkehren wird. Fragt er drei Leute, bekommt er dazu drei verschiedene Antworten. Die nahe, winzige Schneckeninsel macht seinen Begleiter nervös, als Tanner bei einer Schiffsüberführung allzu nah daran vorbeifährt. Der Hauskoch selbst angelt nie, will aber nach Kanada zum Fischen. Die Mutter des Rektors, Madame de Klerk, erfüllt offiziell keine Funktion, inoffiziell aber erledigt sie die eigentliche Internatsführung. Und auch sonst entpuppt sie sich als ungewöhnliche Persönlichkeit.

Bei diesem Buch kann man fast nicht mehr erzählen, ohne die Zugpferde der Geschichte zu verraten. Aber man sollte es lesen, so viel ist sicher. Tanner hängt sich in seinen Tarnberuf richtig rein. Er baut den Speiseplan um und seine Kochkünste gehen via Dorftratsch um den halben See. Zugleich versucht er, den Kollegen im Internat so unauffällig wie möglich auf den Zahn zu fühlen. Der blitzgescheiten Leiterin macht er nicht lange etwas vor, aber sie lässt ihn machen. Schließlich braucht sie ihn als Koch und außerdem erweist er sich als recht pragmatisch, als ein Toter auf dem Gelände gefunden wird. Und kurz darauf schon ein weiterer.

Was wolltest du so früh am Morgen von mir?
Früh? Ach ja, ich vergesse immer, dass der Herr nicht arbeiten muss und von seinem Privatvermögen lebt. Verzeihen Sie, dass ich eventuell Ihr königliches Levee gestört habe.

Tanner ist schon eine Weile nicht mehr im Dienst, hat die wesentlichen Kniffe in diesem dicht erzählten Geschehen aber noch lange nicht verlernt. Tanner kontaktiert regelmäßig seinen Freund Serge Michel von der Mordkommission Bern, wenn es sein muss, auch mitten in der Nacht. Das Gespann ist eingespielt und arbeitet inzwischen im fünften Fall zusammen. Kennt man die vorigen Bände nicht, tut das der Lesefreude keinen Abbruch. Schaub erzählt das Buch völlig eigenständig.

Das „Schnäggeninseli“ gibt es übrigens wirklich, ebenso das prächtige Internatsgebäude (wenngleich in der Realität ohne Internat) und den türkisblauen See inmitten der Berge. Urs Schaub verzichtet darauf, die Orte zu benennen. Allerdings wird nie offensichtlich, ob er dadurch seine reale Inspirationsquelle überall auftreten lassen möchte oder ab er davon ausgeht, dass die meisten Schweizer Leser die Gegend vielleicht sowieso erkennen. Falls jemand vorbei schauen möchte, sollte er nach Iseltwald am Brienzersee fahren.

Bibliografische Angaben

Verlag: Limmat
ISBN: 978-3-85791-809-4
Erstveröffentlichung: 2016

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