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Foto: Chris Benson (unsplash)

Vom Gotthard, einer Nullnummer und der Mafia

Seit einiger Zeit stelle ich einen Teil meiner Lektüre im Magazin Der blaue Ritter von Oliver Simon vor. Kennt ihr es vielleicht schon? Olivers Magazin geht weit über ein Literaturmagazin hinaus; bei ihm sind Kunst, Fotografie und Textkunst zu Hause. Meine letzten Buchvorstellungen bei ihm stelle ich kurz vor. Die komplette Fassung ist im Text jeweils verlinkt.

Zora del Buono - GotthardZora del Buono – Gotthard

Diese Novelle nimmt uns mit an die Baustelle des Gotthard-Basistunnels, kaum mehr als einen halben Tag lang begleitet del Buono den Eisenbahnfan und Trainspotter Fritz Bergundthal ins Tessin. Dort setzt sie aus kleinen Bausteinen und Momentaufnahmen das Geschehen zusammen. Geschickt bringt sie dabei alle Personen miteinander direkt oder indirekt in Kontakt.

Das Gotthard-Massiv, das bindende Element der ganzen Geschichte, erzählt von der technischen Faszination, die der Trassenbau ausübt, von der Geschichte der Bebauung, mit der so viele Talbewohner zu tun haben oder hatten. Selbst jene, die das Tal verließen, um Lastwagen zu fahren, kehren als Baustellenfahrer wieder zurück.

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ISBN: 978–3–406–68184–4
Verlag: C.H. Beck
Erstveröffentlichung: 2015
Autorenwebsite

Umberto Eco - NullnummerUmberto Eco – Nullnummer

Der Journalist Colonna tritt eine neue Stelle an, den Aufbau einer Zeitung, die sich ausschließlich Skandalen widmen soll. Colonna schult die Redakteure in subtiler Wortwahl, geschickten Faktengruppierungen, dem Schreiben zwischen den Zeilen. „Dreckschleuder“ nannte Eco selbst diese Form des Journalismus.

Eco seziert die italienische Medienlandschaft und rechnet ab. Vermutlich sieht ein Italiener noch viel mehr Anspielungen als die, die wir ausländischen Leser entdecken. Wie den Commendatore zum Beispiel, der die Nullnummer finanziert und an Silvio Berlusconi erinnert.

→ zur Rezension in voller Länge oder bei Medium


ISBN: 978-3-446-24939-4
Verlag: Hanser
Originaltitel: Numero Zero
Erstveröffentlichung: 2015
Deutsche Erstveröffentlichung: 2015
Übersetzung: Burkhart Kroeber

Giuseppe Fava - Ehrenwerte LeuteGiuseppe Fava – Ehrenwerte Leute

Die junge Lehrerin Elena Vizzini tritt ihre neue Stelle in einem kleinen sizilianischen Dorf an. Bereits kurz nach ihrer Ankunft wird sie massiv belästigt. Verärgert registiert sie, dass ihr niemand hilft. Doch am nächsten Tag hockt der Angreifer ermordet auf der Piazza. Ein mysteriöser Mörder hat die Schmach offenbar gerächt. Elena wird zu einer Respektsperson, von der das Dorf wahre Wunder erwartet. Doch ihr wird der unsichtbare Beschützer zur Last.

Giuseppe Fava schildert eindrücklich, wie stark Schweigen, unerklärlicher Gruppenzwang und Uniformität ein Dorf deformieren. Im Prinzip ist jeder informiert über das Geschehen, doch keiner weiß diese Informationen zu nutzen und jeder wird automatisch zum Mittäter. Man muss die Mauer des Schweigens brechen. Aber wer will es? Wer kann es?

→ zur Rezension in voller Länge oder bei Medium
ISBN 978-3-293-30368-3
Verlag: Unionsverlag
Originaltitel: Gente di rispetto
Erstveröffentlichung: 1975
Deutsche Erstveröffentlichung: 1990
Übersetzung: Peter O. Chotjewitz

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