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14. bundesweiter Vorlesetag 2017; Foto: tookapic / pexels

Warum ich vorlese

Wie erlebt ihr Geschichten? Sicher lest ihr, habt Bibliotheksausweise, lange Wunschlisten, Kundenkarten der Buchhandlung und volle Bücherregale. Wisst ihr auch, wie großartig es ist, Geschichten zu hören?

Natürlich, werden die einen oder anderen sagen, ich höre ja Hörbücher. Die höre ich auch und gute Erzähler nehmen mich so tief in eine Geschichte, dass ich ruhig auf meinem Hosenboden sitzen bleibe und mehrere Tracks hintereinander höre.

Hören kann aber nicht nur ich selber. Geschichten hören ist eine Freude, die ich weitergebe: Ich lese vor! Meine Kinder sind die besten Zuhörer, die ich kenne. Nicht nur auf dem Sofa, sondern auch auf Autofahrten zum Beispiel. Ein Buch habe ich immer griffbereit und lese, bis der erste müde wird. Manchmal bin das sogar ich …

Erzählen und Zuhören sind die ursprünglichsten und natürlichsten Arten, Geschichten weiterzugeben. Ich glaube, deshalb spielt das Vorlesen seine Faszination aus, deshalb ist das Vorlesen so großartig zeitlos. Aus dem Alter der Vorlesegeschichten sind wir in der Familie längst raus, aber das Vorlesen hat sich damit noch lange nicht erledigt. Es dauert bei Jugendbüchern nur einfach etwas länger, bis ein Buch fertig vorgelesen ist.

Vorlesen macht übrigens nicht nur den Kindern Spaß. Wenn ich lese, fange ich meist selber an, in die Geschichten einzutauchen. Ich wechsle Stimmlagen, werde lauter oder leiser. Dann allerdings entfallen durchaus ganze Satzteile, weil ich nun mal nicht vorlesen muss, dass eine Figur flüstert, wenn ich es entsprechend vorlese.

Mein Publikum macht übrigens mit und ergänzt den Text:

“Es ist kein Schrott, es sind …” — “Wertstoffe!”

Erkennt ihr die Serie mit diesem Claim? Vorlesen ist ohnehin prima, weil jederzeit Fragen gestellt werden können. Warum ist dieser Mensch so böse? Warum sind Zündhölzer gefährlich? Wo liegt Kalifornien? Gab es dort früher wirklich Piraten?

Probiert das Vorlesen einfach selbst aus. Ihr werdet staunen, was sich Kinder von den Geschichten alles merken, was sie beeindruckt und was sie alles für sich selbst mitnehmen. Deshalb lese ich vor! Ihr auch?


Diesen Beitrag zum 14. bundesweiten Vorlesetag der Zeitung Die Zeit, der Stiftung Lesen und der Deutsche Bahn Stiftung könnt ihr euch von mir natürlich auch vorlesen lassen (192 kBit/s):


Weiterführende Links

Wer früh liest, wird später schlau / Nicht nur für die Sprachkompetenz: Warum es so wichtig ist, dass Eltern vorlesen (Focus online):

Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, zeigen oft bessere schulische Leistungen wie auch in ihrer Persönlichkeits­entwicklung und entfalten in besonderem Maße soziale Kompetenzen wie Empathie, Verant­wortungsgefühl und Gerechtigkeitssinn.

Warum Vorlesen so wichtig ist (NDR):

Manche brauchen Hilfe in der neuen Sprache. Andere genießen einfach die extra Portion Zuwendung.

Warum Vorlesen so wichtig ist (Schule und Familie):

Sich ein Buch anschauen, genau zuhören und auf jedes Detail achten – Bücher schulen die Konzentration und die Merkfähigkeit, so dass Kindern später das Lernen leichter fällt.

Warum Vorlesen so wichtig ist /12 Tipps für eine gelungene Lesesozialisation (Carlsen):

Beim Betrachten von ruhigen Bildern und beim Zuhören von Geschichten vollziehen die Kinder mit ihrer eigenen inneren Anschauung ein konstruktives Verstehen, das viel kreativer ist als das passive Anschauen von Filmen oder anderen Bewegtbildern. Die vermeintliche Reizarmut von Büchern ist zugleich ihre große Qualität.


Foto: tookapic / pexels

3 comments

  1. Wow! Bettina, dies ist ein toller Artikel und es kann nicht oft genug gesagt werden. Vorlesen ist grossartig, es fördert die Vorstellungskraft der Kleinen und es stärkt die Beziehung zum Kind. Es gibt doch nichts Schöneres, als sich mit dem Kind aufs Sofa oder ins Bett zu kuscheln und vorzulesen. Tut es solange es eure Kinder noch mögen. Schnell genug kommt die Zeit, da wollen sie nicht mehr, weil sie anderes zu tun haben. 🙂

    Und last but not least ist Vorlesen der Königsweg zu einem guten Leser! 🙂
    Ich hoffe, dass auch ganz viele Leute fernab der Buchbloggerszene diesen Artikel finden. Super 🙂

    1. Vielen Dank für das schöne Feedback. Mir macht das Vorlesen ja selber so viel Spaß, dass ich nicht drauf verzichten möchte. Solange die Kinder sich auch vorlesen lassen, mache ich das. Es ist, wie du sagst, irgendwann ja auch vorbei, wenn sie sich zu groß dafür fühlen.

      Hast du dir die Audiospur übrigens vorlesen lassen? Probier’s mal aus 😉

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