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2:46 Aftershocks: Stories from the Japan Earthquake

William Gibson - 2:46: Aftershocks: Stories from the Japan EarthquakeIn just over a week, a group of unpaid professional and citizen journalists who met on Twitter created a book to raise money for Japanese Red Cross earthquake and tsunami relief efforts. In addition to essays, artwork and photographs submitted by people around the world, including people who endured the disaster and journalists who covered it, 2:46: Aftershocks: Stories from the Japan Earthquake contains a piece by Yoko Ono, and work created specifically for the book by authors William Gibson, Barry Eisler and Jake Adelstein.

“The primary goal,” says the book’s editor, a British resident of Japan, “is to record the moment, and in doing so raise money for the Japanese Red Cross Society to help the thousands of homeless, hungry and cold survivors of the earthquake and tsunami. The biggest frustration for many of us was being unable to help these victims. I don’t have any medical skills, and I’m not a helicopter pilot, but I can edit. A few tweets pulled together nearly everything – all the participants, all the expertise – and in just over a week we had created a book including stories from an 80-year-old grandfather in Sendai, a couple in Canada waiting to hear if their relatives were okay, and a Japanese family who left their home, telling their young son they might never be able to return.”

Rezension

Kurz nach dem Erdbeben und der verheerenden Tsunamiwelle in Japan 2011 wurde Twitter zum Nachrichtenkanal, über den sich zahlreiche Informationen verbreiteten – sowohl weltweit als auch unter Freunden und Familien, die sich telefonisch nicht erreichen konnten. Während dieses Austauschs entstand die Idee, via Twitteraufruf Texte für ein Buch über das Beben zu sammeln. Von der entstehenden Anthologie sollten sämtliche Erlöse an das Japanische Rote Kreuz gehen. Mit dem Hashtag #quakebook wurden die Idee und das angepeilte Buch bekannt gemacht und zahlreiche Menschen sandten an die Organisatoren Berichte über ihre Erfahrungen und Eindrücke während des Bebens und der Zeit danach. Engagiert in der Initiative haben sich auch Yoko Ono sowie der Autor Barry Eisler, der viele seiner Krimis in Tokyo spielen lässt.

In nur vier Wochen wurde das Buch vom #quakebook-Team zusammen gestellt, redigiert, übersetzt, layoutet und als Ebook veröffentlicht. Bis zum heutigen Tag wurden über 30.000 Dollar Spendengelder eingebracht. Von den kurze Zeit später erschienenen, gedruckten Ausgaben werden nach wie vor die Erträge von den Verlagen gespendet. Alleine dank der ersten 2000 Exemplare der gedruckten zweisprachigen Ausgabe konnte über 1 Million Yen auf das Konto des Japanischen Roten Kreuzes überwiesen werden. Das Ebook ist inzwischen (mit einem Spendenaufruf) kostenfrei erhältlich.

Das Quakebook ist ein ausgezeichnetes Beispiel für spontanes und erfolgreiches Fundraising. Auch textlich finde ich das Buch hochinteressant. Obwohl oder gerade weil es hauptsächlich von Laien gestaltet wurde? Mit wenigen Ausnahmen wurden alle Impressionen von Menschen geliefert, die beruflich nicht mit dem Schreiben zu tun haben. Was die Texte auszeichnet, ist die Vielfalt der Gedanken, die sie bieten. Das reicht vom einfachen Eingeständnis, dass das Erleben des Bebens schlimme Ängste hervorgerufen hat bis hin zu Berichten über ein Paar, das rund um Fukushima Evakuierungen organisiert hat. Die zahlreichen Perspektiven verstärken das Bild, das man durch einen einzelnen Bericht hätte erzielen können. Viele Menschen vor Ort haben sich in der Zeit nach dem Beben Gedanken über den Umgang der Japaner mit dieser schwierigen Zeit gemacht und nicht alle kommen zu demselben Schluss. Weder die Ausländer im Land, noch die Japaner selbst. Deshalb denke ich, dass dem Quakebook zugleich ein ganz besonderes Zeitzeugnis gelungen ist.

Auf die Frage zum Beispiel, ob man das Land verlassen sollte, gibt es zwei zu erwartende Antworten mit allerdings sehr unterschiedlichen Begründungen und es wird erkennbar, dass an so einer Frage völlig gegensätzliche Philosophien aufeinander treffen. Reicht die in der japanischen Kultur sonst hoch geschätzte Erfahrung älterer Menschen bei der Risiko-Beurteilung des angekündigten Tsunamis? Stehen der eigene Mut oder der eigene Patriotismus über der Verantwortung, die man für seine Kinder hat?

Eindeutige Antworten als solche gibt das Buch keine, aber an Hand solcher Impressionen macht das Buch sehr gut deutlich, welch emotionaler Druck zum Teil auf den Menschen gelastet hat, selbst, wenn sie im vor dem Tsunami sicheren Tokyo oder Yokohama waren. Dank der relativ kurzen Passagen lässt sich das Buch bestens in Etappen lesen und das ist auch zu empfehlen, denn es gibt viele Stellen, die nachdenklich machen. Das einzige Manko konkret des Ebooks ist die Einbindung von Fotos, die ebenfalls als Beitrag eingereicht werden konnten. Auf meinem klassischen Schwarzweiß-Modell waren da oft nur dunkle Vierecke mit wenig Struktur zu erkennen. Die eingereichten Grafiken wiederum blieben noch kontrastreich genug.

Nicht zuletzt hat mir das Buch auf eine ganz spezielle Weise deutlich gemacht, wo ich derzeit lebe. Eindrücklicher, als es das Katastrophentraining in der Feuerwehrstation vermitteln konnte, und aufrüttelnd, muss mich endlich (unter anderem) um ein paar Notrufnummern neben dem Telefon kümmern.

Bibliografische Angaben

Verlag: Enhanced Editions
ISBN: B004VP3KHK
Erstveröffentlichung: 2011

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