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Agatha Christie – Dreizehn bei Tisch

Agatha Christie - Dreizehn bei TischMehr als einmal hat Lady Jane ihren Gatten, Lord Edgware, zur Hölle gewünscht. Doch als der Haustyrann eines Tages tot in seiner Bibliothek aufgefunden wird, beschleicht Meisterdetektiv Hercule Poirot der Verdacht, dass man ihn auf eine falsche Fährte locken will. Denn welches Motiv soll Lady Jane gehabt haben, da Lord Edgware doch kurz vor seinem Tod in die Scheidung eingewilligt hat?

gesprochen von Ben Hecker

Rezension

Hercule Poirot und Hastings lernen nach einem Theaterbesuch die extravagante Lady Edgware kennen, eine Frau, die ihre eigenen Wünsche vor alles andere stellt. Ihr vordringlichster Wunsch an diesem Abend ist es, Poirot für ihre Scheidungsabsichten einzustellen. Er möge bei ihrem Mann vorstellig werden und um die ihr bisher verweigerte Zustimmung zur Scheidung zu bitten. Poirot ist zwar weniger an den Eheproblemen interessiert, wohl aber daran, den Gatten näher kennen zu lernen und sagt zu. Zu seiner großen Überraschung hat der Lord gar nichts gegen eine Scheidung und Poirot darf Lady Edgware eine richtig schöne Nachricht übermitteln.

Kurz darauf wird Lord Edgware tot in seiner Bibliothek aufgefunden. Lady Edgware kann schwerlich ein Interesse daran gehabt haben, ihren nun doch scheidungswilligen Mann zu ermorden. Wer aber war es dann? Poirot findet die ganze Situation äußerst merkwürdig und vermutet ein clever abgekartetes Spiel hinter allem.

Das Hörbuch liefert solide Krimiunterhaltung mit einem wie immer selbstverliebten Poirot. Die kleinen grauen Zellen laufen auf Hochtouren, denn die verzwickte Geschichte um die Edgware-Scheidung ist an so vielen Stellen fragwürdig. Da gibt es einen wichtigen Brief, der angeblich verschwunden ist; da gibt es einen neuen Liebhaber und Zeugen, die beharrlich Falschaussagen verteidigen. Und leider gibt es auch weitere Tote, weil Poirot die Lösung nicht schnell genug niet- und nagelfest machen kann.

Wie so oft war dieses Hörbuch die Untermalung für eine Autofahrt. Dafür war es auch angemessen. Für einen Abend auf dem Sofa aber wäre mit die Lesung zu schwach gewesen. Irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Ich vermute allerdings, dass dafür nicht der Stil von Agatha Christie in Frage kommt: Das Hörbuch “Dreizehn bei Tisch” folgt einer gekürzten Fassung mit ca. dreieinhalb Stunden Laufzeit. Ich vermute, dass die Kürzungen maßgeblich zu dem Eindruck beigetragen haben, dass der Krimi zwar sehr gut konzipiert, aber mit viel zu wenig Liebe auf’s Papier gebracht worden ist. Es fehlt am Ende zuviel von all den kleinen Beschreibungen und Szenen, die die Personen näher bringen und charakterisieren – für einen Christie müssen diese typischen Personendetails aber sitzen.

Zum Vergleich: Vom Hörverlag gibt es (derzeit) fünf Krimis von Agatha Christie in voller Länge. Diese schlagen mit je rund 8 Stunden Laufzeit zu Buche, also ausreichend Mehrzeit für Details und Athmosphäre. Ben Hecker liest gut und bekommt einen ordentlichen Akzent für Poirot hin, aber wenn er ein mehr als halbiertes Manuskript bekommt, kann er aus einem netten Krimi keinen Krimiklassiker machen. Das mag bei manchen Büchern nicht so dramatisch sein, aber hier fehlte mir deutlich der Pfiff, den Christie-Krimis sonst oft auslösen.

Bibliografische Angaben

Verlag: Der Hörverlag
ISBN: 978-3-89940-787-7
Originaltitel: Lord Edgware dies
Erstveröffentlichung: 1933
Deutsche Erstveröffentlichung: 1934

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