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Alessia Gazzola – Die Spur der Prinzipessa

Alessia Gazzola - Die Spur der PrincipessaDie angehende Rechtsmedizinerin Alice Allevi sitzt in der Klemme: Immer wieder hat sie davon geträumt, ihre zickige und karrieresüchtige Kollegin Ambra della Valle loszuwerden. Jetzt ist Ambra wirklich verschwunden, ohne jede Nachricht oder Spur. Kurz darauf fördern Baggerarbeiten ein Skelett zutage. Auf dem Schädel befindet sich eine Kinderkrone aus Plastik. Polizeiinspektor Calligaris beginnt mit den Ermittlungen und bittet Alice um Unterstützung. Bei dem Skelett handelt es sich um die Überreste von Viviana Montosi, einer begabten Archäologiestudentin, die seit 2006 vermisst wird. Alice beginnt sich näher mit Vivianas Leben zu beschäftigen. Als sie entdeckt, wer ihre beste Jugendfreundin war, kriegt sie es mit der Angst zu tun: Es war Ambra della Valle.

Rezension

Manchmal werden Wünsche wahr. Aber nicht immer fühlt man sich mit der Erfüllung so wohl wie erhofft. Alice Allevi geht es jedenfalls so, seit ihre Kollegin Ambra della Valle verschwunden ist. Für Allevi war della Valle privat wie beruflich ein rotes Tuch mit arroganter, großspuriger Note und fatalerweise einem besseren Draht zu den Führungskräften im Haus. Kaum ist die “Bienenkönigin” allerdings weg, fehlt etwas. Wenigstens bietet der Fund eines Skeletts Ablenkung von dem leeren Schreibtisch am Arbeitsplatz. Offenbar eine junge Frau, die mit einer Kinderkrone aus Plastik an ihrer Seite gefunden wurde. Allevi unterstützt ihren Chef Claudio Conforti bei der Identifizierung und kurz darauf bereits die Polizei. Ispettore Calligaris spannt Allevi dazu ein, im Leben der Toten zu stöbern und Hinweise zu finden.

Als Allevi das Leben der Toten durchleuchtet, fällt eine alte Kinderfreundschaft ins Auge: Viviana Montosi war mit Ambra della Valle befreundet. Gibt es da einen Zusammenhang? Die Aussicht darauf jedenfalls ist beängstigend, zumal Allevi sich daran erinnert, dass sich della Valle vor ihrem Verschwinden von einer “modischen Barbie in ein Auslaufmodell” verwandelt hatte, mit wenig Augenmerk auf Äußerlichkeiten – und diese deutliche Veränderung gibt nun schwer zu denken.

Alice Allevi arbeitet inzwischen im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Rechtsmedizinierin am Institut für Rechtsmedizin in Rom. So schlecht wie alle denken, ist Allevi eigentlich gar nicht; insgeheim vergleicht sie sich mit Kay Scarpetta, wenn sie an ihre Zusammenarbeit mit Calligaris denkt. Nur ein bisschen ungeschickt ist sie manchmal. Aber während ihr am Institut daher wenig Respekt entgegenschlägt, beschert ihr der Instinkt einen großen Fan:

“Denn du möchtest doch irgendwann bei der Polizei arbeiten, nicht wahr? Du hast wirklich großes Talent, Alice. Vielleicht mehr für den Polizeidienst als für die Rechtsmedizin, wenn ich das so sagen darf. Ich glaube, von dir würde ich mir nicht einmal Aspirin verschreiben lassen!”
“Wir werden sehen, Ispettore, es ist noch alles offen.”

Im dritten Band mischt Gazzola ihre sonst geradlinige Erzählweise mit Passagen, die Szenen aus dem Leben von Viviana Montosi erzählen. Allevi lässt ihre Fantasie spielen und versucht, die Tagebucheinträge von Montosi zum Leben zu erwecken. Allevi hilft es dabei, das Beziehungsgeflecht einer Forschergruppe in Palästina zu entschlüsseln, bei der Montosi beteiligt war. Und nicht zuletzt findet sie, dass es in Sachen Liebe die eine oder andere Parallele zwischen ihr und der Archäologiestudentin gibt. Das ist bei beiden Frauen ein Fall für ein “Reset”. Speziell bei Allevi wird es nicht einfacher, denn nachdem sie zwar zum Reisejournalisten Arthur auf Distanz gegangen ist, lebt mittlerweile dessen Schwester Cordelia bei ihr in der WG. Und die versucht immer noch, alles wieder zu heilen. Bei Conforti ist nicht so ganz klar, ob er mit Allevi flirtet, weil er sie mag oder weil er della Valle vermisst. Aber Alice Allevi nimmt aus ihrem aktuellen Fall eine wichtige Erkenntnis mit und beschließt, von vorne anzufangen. “Ich habe Besseres verdient.”

Gazzola ist wieder ein interessanter Fall gelungen, der viele Facetten zwischenmenschlicher Beziehungen und damit ganz klassisch die typischen Motive für literarische Kriminalfälle offenbart.

Bibliografische Angaben

Verlag: Carl’s Books
ISBN: 978-3-57058-551-1
Originaltitel: Le ossa della principessa
Erstveröffentlichung: 2014
Deutsche Erstveröffentlichung: 2015
Übersetzung: Sylvia Spatz

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