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Alessia Gazzola – Herzversagen

Alessia Gazzola - HerzversagenEin alter, renommierter Schriftsteller soll von seinen Söhnen entmündigt werden. Kurz darauf ist er tot, ein rätselhafter Abschiedsbrief liegt vor. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass es kein Selbstmord war. Alice Allevi nimmt sich die Familiengeschichte und die Werke des Schriftstellers vor und entdeckt Ungereimtheiten, die sie an die Polizei weiterleitet. Auch in Alices Privatleben geht es turbulent zu: Die Beziehung zum Reisejournalisten Arthur scheint ohne Zukunft zu sein; dagegen beginnt ausgerechnet ihr Kollege Claudio Conforti einen heftigen Flirt mit ihr, und sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Und nicht zuletzt beschließt auch noch ihre geliebte Mitbewohnerin Yukino ganz plötzlich, zurück nach Japan zu gehen.

Rezension

Wenn ein namhafter Schriftsteller entmündigt werden soll, liegt die Vermutung nahe, dass es möglicherweise nur ums Geld geht. Alice Allevi nimmt den Auftrag zur Entmündigung gemischten Gefühlen an und sieht sich bestätigt: Sie begegnet mit Konrad Azais wohl einem störrischen und eigenwilligen Mann, aber ganz sicher einem, der alle Sinne beisammen hat. Und mal ehrlich, wer wäre bei einem solchen Untersuchungstermin auch gerne gastfreundlich und zuvorkommend? Kurz darauf stirbt der alte Herr unerwartet und die Polizei findet einen seltsamen Abschiedsbrief. Der Gedanke an Mord liegt nahe, auch, wenn die Pathologie zunächst keinen Hinweis auf einen gewaltsamen Tod entdecken kann. Allevi allerdings kommt die Sache spanisch vor, zumal sie in den Büchern und den Familienangelegenheiten der Familie Azais herumschnüffelt. Freilich darf sie auch dieses Mal mit wenig Gegenliebe in der rechtsmedizinischen Abteilung rechnen, denn die Stars unter den Assistenzärzten sind andere. Den Ruf als Chaotin ist Allevi noch lange nicht los. Wenigstens Ispettore Calligaris hat seit dem letzten Fall eine Schwäche für Allevis Spürnase und bindet sie in seine Untersuchungen ein.

Gemeinsam mit Calligaris sucht Allevi nach mögichen Motiven, um Anhaltspunkte für weitere Nachforschungen zu finden. Und nicht zuletzt braucht Calligaris die Hilfe der Assistenzärztin, weil sich die Enkelin Azais’ seit dem Tod ihres Opas an nichts mehr erinnern kann. Dabei vermuten die beiden, dass das Mädchen ihnen viel mehr weiterhelfen kann als sie will.

Im Büro Unannehmlichkeiten, im Privatleben richtig Ärger: Wie es mit Arthur, dem Reisejournalisten, weitergehen soll, steht in den Sternen. Claudio Conforti versucht hingegen intensiv, bei Allevi zu landen. Während der eine ständig unterwegs und selten erreichbar ist, ist der andere als Schürzenjäger bekannt und als Partner ganz genauso ungeeignet. Hilfe von Freundinnen gibt es gerade nicht, denn die brauchen selber welche: Arthurs Schwester liegt im Spital, das Bruderherz ist mit seiner eigenen Familie beschäftigt und Mitbewohnerin Yukino bereitet ihre Rückkehr nach Japan vor.

Bei diesem Buch passen sowohl der italienische (Un segreto non è per sempre) als auch der deutsche Titel gut zum Inhalt: Doppeldeutig lassen die sich auf die Familie Azais ebenso anwenden wie auf Allevis Privatleben. Der Fall selbst ist nicht ganz so spannend wie in Band 1; was Azais in jungen Jahren verkehrt gemacht hat, ahnt man schnell. Wie das allerdings mit dem Todesfall zu tun hat, bleibt dafür sehr lange im Dunkeln und wird erst über viele Wendungen gelöst. Das kommt recht langatmig an, zumal berichtet wird, wieviel Zeit zwischen einzelnen Ereignissen vergeht.

Das Buch über das knallig pinke Cover als ChickLit zu präsentieren, passt mir nicht so ganz (auch, wenn ich diesen grafischen Stil eigentlich ganz gerne sehe). Liebesgeschichten oder private Probleme gibt es auch bei anderen Krimis, doch pink sind die deshalb noch lange nicht. Die Italiener bekamen bei Band 1 eine Knochensäge zu Gesicht, die Franzosen bei Band 2 ein benutztes Skalpell … während die Italiener OP-Besteck neben Pralinen vorfinden und damit der -laut Klischee- mitunter sehr pragmatische Wechsel zwischen Arbeit und Ernährung der Pathologen dokumentiert wird. Nicht von der Farbe abschrecken lassen, bitte, und lesen.

Bibliografische Angaben

Verlag: Carl’s Books
ISBN: 978-3-570585146
Originaltitel: Un segreto non è per sempre
Erstveröffentlichung: 2012
Deutsche Erstveröffentlichung: 2013
Übersetzung: Sylvia Spatz

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