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Alfred Bodenheimer – Der Messias kommt nicht

Alfred Bodenheimer - Der Messias kommt nichtWas als Sabbatical Gabriel Kleins an der Universität Basel harmlos beginnt, wird zur Ermittlung in einem rätselhaften Mordfall. Das Opfer, ein erfolgreicher Anwalt, Jude und zudem Vorstandsmitglied der Gemeinde, wurde erschossen. Klein lässt sich von einem jungen Kommissar einspannen, um Nachforschungen in der jüdischen Gemeinde anzustellen. Dabei wird der Zürcher Rabbi mit unterschiedlichsten Formen abgrundtiefen Hasses konfrontiert. Während seiner Ermittlungen tritt sein eigentliches Ziel, die Übersetzung eines Buches über den jüdischen Messias aus dem 16. Jahrhundert, in den Hintergrund. Zu unrecht.

Rezension

Der Zürcher Rabbiner Gabriel Klein erhält ein verlockendes Angebot: Er wird zu einem Forschungsaufenthalt an die Universität Basel eingeladen, um fünf Monate an Schriften zu arbeiten. Klein nimmt allzu gerne an, ermöglicht ihm der Forschungsauftrag doch die Möglichkeit, ein bisschen Abstand zu seiner Gemeinde zu bekommen. Jedes Wehwehchen wird mit ihm besprochen, er fühlt sich den Wehwehchen nicht zuletzt verpflichtet und die Auszeit würde ihm sicher guttun. Die Basler Gemeinde allerdings sieht in Kleins “Zuzug” eine ideale Möglichkeit, mit seiner Hilfe ein bisschen Pep in eine Wochenendeinladung zu bringen, zumal zwischen den Führungsmitgliedern ohnehin gerade dicke Luft herrscht. Klein gerät also nicht nur vom Regen in die Traufe, es kommt gar noch schlimmer. An diesem Wochenende wird eines der Vorstandsmitglieder erschossen und Klein steckt plötzlich mittendrin in Ermittlungen.

Gabriel Kleins Rolle ergibt sich Schritt für Schritt. Zunächst begegnet er einem alten Bekannten aus Zürich. Kommissar Drulovic arbeitet nun in Basel, hat aber als Zürcher im Basler Filz, wie er es nennt, keine guten Karten. Der Kollege, der auf Drulovics Stelle gehofft hatte, würde nur zu gerne sehen, wie der neue Kommissar die Sache gleich zu Beginn so richtig in den Graben fährt. Statt als Seelsorger für die Gemeinde soll Klein jetzt ein bisschen als Seelsorger für den Kommisssar arbeiten und sicherstellen, dass der die Informationen vollständig beisammen hat. Auf diese Weise bekommt Klein natürlich viele Details in die Hand, die ihm eigene Rückschlüsse erlauben. Es sieht freilich einfacher aus, als es ist; Ehefrau Rivka warnt nicht umsonst:

“Wenn du dich in Teufels Küche begibst, dann schau wenigstens, dass du sie als Chefkoch verlässt und nicht als Hackbraten.”

Der Weg zum Hackbraten ist einiges wahrscheinlicher, denn Gabriel Klein watet in einem Geflecht, dass viele Fallstricke bietet. All seine Basler Kontakte kennen sich, der Professor an der Uni die Mitarbeiterin des Jüdischen Museums, dessen Direktorin ist eine Freundin der Ehefrau des Toten, des Professors Mitarbeiter ist ein Spross aus unsagbar reichem Haus und auch die Vorstandsmitglieder der Gemeinden von Basel und Zürich kennen sich offenbar besser als Klein das erwartet hatte. Und Drulovic will in Basel beruflich nicht untergehen. Gabriel Klein wird es letztlich gelingen, alle Fäden zu entwirren, nicht zuletzt, weil er ein paar Sachverhalte besser versteht als das der Kommissar kann (und das ist garantiert kein Spoiler, weil wir allesamt eigentlich genau das auch erwarten). Aber Alfred Bodenheimer hält für die Protagonisten und den Leser noch eine Überraschung bereit.

Garniert ist die Handlung mit Abschnitten über Kleins Forschungsarbeiten und die jüdische Geschichte in der Schweiz. Im Mittelpunkt stehen die Schriften eines Hebraisten aus dem sechzehnten Jahrhundert, die Klein übersetzen und kommentieren soll. Einige Zeilen tauchen immer wieder im Buch auf und Klein übernimmt im Gespräch mit seiner Frau Rivka die Diskussion der Passagen. Neben den religiösen Aspekten erarbeitet sich Klein auf diesem Weg auch die Idee, die ihm zur Lösung des Falls verhilft und den Buchtitel sauber erklärt.

Bibliografische Angaben

Verlag: Nagel & Kimche
ISBN: 978-3-31200-686-1
Erstveröffentlichung: 2016

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