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Anne Gold – Das Auge des Sehers

Anne Gold - Das Auge des SehersWoche für Woche erzielt Arian Nostramo, der berühmte Hellseher von Basel, mit seiner TV-Sendung am Montagabend Rekordeinschaltquoten. Er polarisiert wie kein anderer. Während ihn die einen für den Wahrsager schlechthin halten, sehen seine Gegner in ihm den grössten Scharlatan auf Erden und Anführer einer gefährlichen Sekte. Eines Tages, mitten in der Livesendung, wird Nostramo von einem Anrufer bedroht. Kein Grund zur Sorge denkt Kommissär Francesco Ferrari, der kaum eine Folge auslässt. Doch weit gefehlt. Seine Assistentin Nadine Kupfer beordert ihn nur wenig später nach Riehen, wo Ferrari eines Besseren belehrt wird. Hat der Anrufer seine Drohung wirklich in die Tat umgesetzt? Ist es reiner Zufall oder handelt es sich gar um ein geschicktes Ablenkungsmanöver des Mörders? Kommissär Ferrari und seine Kollegin begeben sich auf eine dunkle Reise in die faszinierende Welt des Hellsehens.

Rezension

Wenn Arian Nostramo auf Sendung geht, ist Kommissär Francesco Ferrari immer dabei. Stets mit Fleiß von seiner Frau Monika verspottet, die den TV-Zauber für allergrößten Humbug hält. Für den großen Meister Nostramo unvorhersehbar überlebt er einen Montag Abend nicht und Ferrari muss den Mord an seinem liebsten Ratgeber aufklären. Während der vorhergehenden Livesendung war Nostramo telefonisch bedroht worden — aber ist der Anrufer auch der Mörder? Ferrari nimmt sich mit seiner Kollegin Nadine Kupfer das Umfeld vor und findet sich in einem Wirrwarr an möglichen Tätern wieder.

Das Umfeld Nostramos ist illuster; er schien den halben Geldadel Basels bestens zu kennen. Der Wohnsitz nobel und die Stiftung, unter deren Dach er gearbeitet hatte, ist mit namhaften Vorsitzenden ausgestattet. Doch trotz der adretten Fassaden könnten die großen Gönner dem charismatischen TV-Helfer ebenso übel gewollt haben wie die Handwerkergruppe, denen die Stiftung angeblich lukrative Aufträge weggeschnappt hatte.

Hinter den Kulissen geht das Gerangel um die Weiterführung der gut laufenden Sendung los und Ferrari darf sich nicht nur mit allzuvielen Verdächtigen herumschlagen, sondern auch mit zwei Frauen, die sich gegen ihn verbündet haben. Monika und Nadine halten das ganze Nostramo-Universum für hanebüchenen Unsinn und Nadine spuckt angesichts der salbungsvollen Phrasen der Nostramo-Mitarbeiter ziemlich schnell Gift und Galle bei den Gesprächen. Also bleibt es an Ferrari hängen, seine ihm bescheinigte positive Aura gewinnbringend einzusetzen. Im Umgang mit den Nostramo-Jüngern sind die Polzeikollegen wie Feuer und Eis und halten mit ihren Scharmützeln die Leserlaune hoch. Die kleinen, aber heftigen Diskussionen werden intensiver, als herauskommt, dass Nadine zwar Hellseherei für Käse hält, dafür aber mit der Astrologie liebäugelt.

Daheim darf sich das Ehepaar Ferrari mit ihren jeweiligen Müttern herumärgern, die sich im Tagestakt mal versöhnen, mal verzanken. Dem genervten Ferrari bleibt es überlassen, die starrköpfigen Damen schnellstmöglich wieder aus der Wohnung zu komplimentieren. Mit der Kollegin der Zank um den Wahrheitsgehalt verschiedener Vorhersagen und von den Tatverdächtigen ein offensichtliches Märchen nach dem anderen. Den Fall übersteht Ferrari nicht in der besten Laune, dafür aber der Leser. Was auch immer an Schlagabtausch stattfindet, ist so gut geschrieben, dass automatisch ein kleines Kopfkino abläuft und man sich unweigerlich die Besetzungsliste für eine Verfilmung vorstellt.

Bibliografische Angaben

Verlag: Friedrich Reinhardt Verlag
ISBN: 978-3-72451-763-4
Erstveröffentlichung: 2011

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