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alte Schreibmaschine; Foto: Sergey Zolkin (unsplash)

Auf tumblr literarisch unterwegs

Fünf Blog-Empfehlungen

Seit einiger Zeit treibe ich mich ein bisschen auf tumblr herum. Zwar ist mein Daseinszweck in dieser Spähre überhaupt nicht literaturgeprägt, aber schneller als vermutet folgte ich trotzdem literarischen tumblr-Blogs. Davon gibt es eine Reihe schöner und interessanter Stücke, weil tumblr einen ganz eigenen ästhetischen Aufbau hat und wunderbar visuell funktioniert. Die Fotos kommen aus ohne Spielerei mit Filterfunktionen und bei den meisten Bloggern stehen sie thematisch eng beieinander. Oftmals wird die Reblog-Funktion sehr aktiv genutzt und aus vielen Blogs ergeben sich kleine Sammelbecken zu einem Thema.

Meine ersten beiden Empfehlungen sind ganz minimalistisch und konzentrieren sich auf eigenen Content. Ein bisschen streng guckend erteilt Stefan Möller Lesebefehle. Seit April 2013 füllt er den Blog ausschließlich mit Fotos lesenswerter Lektüre, mal mit Mütze, mal ohne, immer vor derselben, mit zahllosen Büchern bestückten Regalwand (ein Hingucker). Sein Blick verleiht den Befehlen ordentlich Nachdruck – für den Fall, dass seine Ankündigung auf taube Ohren stößt: “Bücher, die jeder nichtdoofe Mensch gelesen haben sollte. Warum? Weil ich es sage!” Es funktioniert; dem Blog folge ich fast seit Beginn meiner tumblr-Tage. Seine Buchseite aus dem Magazin Leo gehört inzwischen mit zum Spektrum der Lesebefehle.

Einen Überblick über aktuelle Lektüren verschafft der Coverspy. Der Blog wird seit 2009 von einer Spionagegruppe bestückt, die nach ihren Anfängen in New York inzwischen in zehn amerikanischen Städten unterwegs ist. Ihre Aufgabe: Menschen mit Büchern erspähen, die jeweiligen Titel ausspionieren und Meldung machen. Aktenkundig wird das Cover sowie Angaben zur Person. Zum Beispiel in dieser Form: 1493, Charles C. Mann (M, 50s, glasses, curly hair, backpack, blue baseball cap, L train). Oder so: The Drop, Dennis Lehane (F, 60s, curly hair pulled back, pearl earrings, reusable tote, F train). Sieht bei mir dann vielleicht so aus: A case of exploding mangoes, Mohammed Hanif (F, 40s, reads while standing, blue Russet bag, no juwelry, Namboku Line).

Zum Abreagieren ist Ein böser Literaturblog wunderbar geeignet; es ist nach offiziellen Angaben schließlich auch das Ventil der Bloggerin: “Die etwas andere Art, Stress abzubauen!” Die Schreiberin ist ganz offensichtlich Buchhändlerin und zieht in ihrem Blog die Kunden durch den Kakao. Nur die bösen natürlich, denn sonst wäre es ein lieber Literaturblog. Wir lernen die snobistische Kundin kennen, die die Kollegin als Putze anmault und schreiende Kundschaft, wenn was mit der Kundenkarte nicht stimmt. Sehr alt ist der Blog noch nicht, aber boshafte, ratlose, ulkige oder freche Kunden werden der armen Buchhändlerin nicht aussterben und wir werden weiter mit ihr leiden können.

Fuck yeah, book arts! schreit Leah, eine irische Illustratorin und Autorin, und widmet ihren Blog atemberaubend schönen Kunstwerken aus und mit Büchern. Da gibt es nichts, was es nicht gibt. Minibücher, geschnitzte Bücher, fantasievolle Skulpturen, Bücher in Muschelschalen als Einband, interessante Buchcover (wie wäre es zum Beispiel mit “Pirates don’t wear pink sunglasses“). Den Blog gibt es bereits seit 2010; ich könnte also stundenlang aufzählen, was mir da schon alles aufgefallen ist.

Statt dessen geht es rasant zur letzten Empfehlung, Incidential Comics von Grant Snider. Zu finden sind Comics und Illustrationen, von denen viele irgendwie mit Literatur zu tun haben. Es geht um große Konflikte in der Literatur, kreatives Denken oder improvisierte Lesezeichen. Eine Fundgrube, die oft mit einem kleinen Effekt des Wiedererkennens aufwartet.

Einfach mal reinschnuppern, denn es lohnt sich. Wirklich.
Gibt es tumblr-Blogs, die ihr empfehlen möchtet?


Foto: Sergey Zolin (unsplash)

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