Loading

Ayelet Waldman – Unter guten Freunden

Ayelet Waldman - Unter guten FreundenEigentlich hat die Ex-Strafverteidigerin Juliet mit ihrer eigenwilligen Tochter Ruby alle Hände voll zu tun – doch als sie vom plötzlichen Tod der Schulleiterin Abigail Hathaway erfährt, glaubt sie nicht an einen Unfall. Nur zu gut erinnert sie sich an den letzten Abend: Ein einflussreicher Geschäftsmann wurde beim Bewerbungsgespräch um einen der raren Plätze im Edelkindergarten abgewiesen, und reagierte mit einem cholerischen Wutanfall. Als niemand an einen Mord glauben will, macht sich Juliet, den störrischen Wirbelwind Ruby immer im Schlepptau, auf eigene Faust auf die Suche nach der Wahrheit.

Rezension

Nachdem ich die Krimireihe um Juliet Applebaum eher zufällig entdeckt und noch dazu einen späteren Band erwischt hatte (um genau zu sein: den siebten und letzten), wollte ich unbedingt mit dem Einstieg in die Serie weitermachen. In Unter guten Freunden führt Ayelet Waldman ihre hartnäckige Ex-Strafverteidigerin in die Welt der Ermittlungen ein. Auf eine Art und Weise, die bestens nachvollziehbar ist: Nach der Babypause erfreut sich Applebaum zwar am Gedeihen ihrer kleinen Ruby, aber der quirligen Frau fällt irgendwann die Decke auf den Kopf. Die Herausforderung namens Ruby kann nicht den Verlust anderer Herausforderungen wett machen, die zuvor ihr Leben bestimmt haben. Umso mehr verbeißt sich Applebaum in die Frage, ob ein äußerst unsympathischer Filmproduzent am Unfalltod einer Kindergartenleiterin schuld ist.

Möglich wäre es. Familie Applebaum musste selbst erleben, wie jähzornig dieser Mann werden kann, wenn er nicht das bekommt, was er haben will. In diesem Fall drehte sich alles um einen heiß begehrten Platz in einer heiß begehrten Kinderbetreuung, denn so funktioniert die Weichenstellung einer amerikanischen Karriere: Erst der richtige Kindergarten ermöglicht später den Einstieg in renommierte Colleges und Universitäten. Doch würde er so weit gehen, die Schmach durch einen Mord zu tilgen? Juliet Applebaum versucht, Kontakt zu seinem Umfeld und ihrem Verdacht auf den Grund zu gehen.

An diesem Krimi fiel mir sehr positiv auf, wie gut Waldman ihre Figur Juliet Applebaum zeichnet: Eine Privatperson in einen Kriminalfall stolpern zu lassen, birgt immer das Risiko, dass es übertrieben oder gewollt wirkt. Genau das hat Waldman hier clever vermieden. Zum Einen gelingt das durch den Beruf als Strafverteidigerin, der die Neugier, den Instinkt und die guten Kontakte ohne Umschweife erklärt. Zum Anderen ist es die Situation, in der sich Juliet Applebaum befindet. Irgendwann wird Müttern, die beruflich gefordert waren, das Zimmer zu klein. Die Kontakte zu Leuten, mit denen man über anderes reden kann als Milch, Brei und Windeln, fehlen. Die Kontakte zu Kunden oder Klienten fehlen. Die Herausforderungen am Schreibtisch, vor Gericht und die selbst erarbeiteten Erfolgserlebnisse fehlen. Alles past also wunderbar zusammen und keine Frage, dass ein Unfalltod, über den zu leicht hinweggegangen wird, jemanden wie Applebaum misstrauisch macht. Sie muss raus aus dem Trott und da kommt ihr die Recherche gerade recht.

Die eigentliche Ermittlungsarbeit steckt ihr nicht ganz im Blut. Aber sie macht sich und schleust sich mit mutigen Ausreden auch in der Haus der Verstorbenen ein und sucht nach Antworten. Da muss der Krimi nicht wahnsinnig raffiniert gestrickt werden, bis er geschrieben wird. Da stimmt sozusagen “das Personal” und die lebensnahe Schiene. Übrigens: Die Übersetzerin Usch Pilz schreibt selber über den Krimi in ihrer amazon-Rezension:

“Ich hatte viel Spaß beim Übersetzen des Werkes. Und das kann ich nicht von all meinen Aufträgen behaupten.”

Bibliografische Angaben

Verlag: Heyne
ISBN: 3453212142
Originaltitel: Nursery Crimes
Erstveröffentlichung: 2000
Deutsche Erstveröffentlichung: 2002
Übersetzung: Usch Pilz

Leave a Reply

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.