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Bernhard Jaumann – Die Stunde des Schakals

Bernhard Jaumann - Die Stunde des SchakalsWenn die Tapferen tot sind, müssen die Feiglinge sterben. Ein todkranker Killer auf der Suche nach Vergeltung. Ein zwanzig Jahre zurückliegendes Verbrechen, das lange Schatten wirft. Eine junge Polizistin zwischen Recht und Gerechtigkeit. Und eine schonungslose Verfolgungsjagd durch Namibia, Botswana und Südafrika. “Die Stunde des Schakals” ist ein grandioser Politthriller, der um den spektakulärsten politischen Mord Namibias kreist und dabei die großen Fragen nach Wahrheit, Schuld und Moral aufwirft.

Rezension

Die Ermittlungen von Kriminalinspektorin Clemencia Garises beginnen mit einem Desaster: Ein Mann stirbt im Kugelhagel eines Maschinengewehrs – eigentlich behütet in einem guten Wohnviertel, in dem regelmäßig ein Sicherheitsdienst patrouilliert. Garises wird über drei Stunden später erst zum Tatort gerufen, die Spurensicherung ist nicht erreichbar und die Polizisten vor Ort zeichnen sich weder durch Sachverstand noch Mitgefühl aus. Da hilft es wenig, dass Garises Fortbildungen in Europa besucht hat und beruflich wesentlich fitter ist als die meisten ihrer Kollegen. Noch dazu ist sie eine Schwarze — die Hinterbliebenen des ermordeten Abraham van Zyl zeigen von Beginn an, dass sie der Kommissarin weder trauen noch ihr etwas zutrauen.

Als herauskommt, dass van Zyl zu Apartheid-Zeiten beim CCB arbeitete, einer Organisation, die Anti-Apartheids-Aktivisten beseitigte, ahnt Garises, dass in der Vergangenheit der Schlüssel zum Attentat liegen könnte. Doch ihr Chef Ndangi Oshivelo, der sonst große Stücke auf Garises hält, will von der Theorie auch dann nichts hören, als ein zweiter CCB-Agent ermordet wird. Doch Garises bleibt dabei: Es scheint einen Zusammenhang zur Ermordung des populären und erfolgreichen weißen SWAPO-Anwalts Anton Lubowski anno 1989 geben. Bis Garises vernünftig ermitteln kann, verstreicht viel Zeit und der Mörder arbeitet schnell und präzise.

Was mich von Beginn an für das Buch eingenommen hat, ist die Einbindung der realen Ermordung Lubowskis, die bis heute unaufgeklärt ist. Verdachtsmomente gab und gibt es viele, Behinderungen bei der Ermittlung aber auch. Jaumann spinnt um die Fakten herum eine Geschichte, die heute mit jenen Hintergründen durchaus stattfinden könnte: Die späte Rechenschaft mit denen, die damals als dringend tatverdächtig galten, die aber nie verurteilt wurden.

Zugleich erfahre ich einiges über das Namibia von heute. Garises ist für namibische Verhältnisse fast schon zu alt zum heiraten und lebt mit verschiedenen Familienmitglieder in einer Zwei-Zimmer-Hütte in Katutura (was laut Wikipedia übersetzt heißen soll: “Ort, an dem wir nicht leben möchten”), einem Vorort von Windhoek. Besonders die zwei Tanten setzen Garises zu mit ihren Versuchen, sie unter die Haube zu bekommen und ihr Handy mit Beschlag zu belegen. Auch ansonsten ist das Leben eher von liebevollem Chaos, zumal Garises die einzige mit einem geregelten Einkommen ist und zu Hause sicher nicht die Ruhe findet, die sie nach teils zermürbenden Einsätzen benötigt.

Ich fand die Story sehr spannend geschrieben, weil sie eine gut durchdachte Handlung mit Finten hat, Hintergründe erklärt (mich aber auch nicht Fakten erdrückt) und interessante Charaktere zeigt. Inzwischen weiß ich, dass Clemencia Garises bald einen zweiten Fall lösen soll und an diesen Ermittlungen will auf alle Fälle wieder teilhaben. Wenn es – wie in diesem Fall – wieder in einer Leserunde mit dem Autor Bernhard Jaumann selbst geschieht, dann umso lieber.

Bibliografische Angaben

Verlag: Kindler
ISBN: 978-3-463-40569-8
Erstveröffentlichung: 2010

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