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Das Bücherparadies Jimbocho in Tokyo; Foto Bettina Schnerr

Bilderbuch Jimbocho

Unterwegs in Tokyos Bücherparadies

Heute geht es zum Bücherbummel nach Jimbocho 神保町, das in Tokyos Bezirk Chiyoda liegt. Jimbocho (auch Jinbōchō oder Jinbocho) ist das Bücherparadies Tokyos, ein Viertel, in dem sich eine Buchhandlung an die andere reiht. Und das über mehrere Straßenzüge hinweg. Weit über 150 Läden sollen es sein. Fraglos ist es das Bücherhandelszentrum Japans schlechthin. Einige Buchhandlungen bieten Neuware an, aber die meisten sind Antiquariate und davon hat sich die Mehrheit in irgendeiner Form spezialisiert. Für Holzdrucke, übersetzte ausländische Titel, Manga, Lyrik, Reiseliteratur, Klassiker, Bildbände, Geschichtsbücher, Romane, Sammelhefte … alles, was man sich vorstellen kann, findet man in Jimbocho.

Das Bücherparadies Jimbocho in Tokyo; Foto Bettina Schnerr

“Ich kann ja gar kein Japanisch” zählt definitiv nicht als Ausrede! Jimbocho musste ich mir anschauen und mich faszinieren lassen. Von endlosen Stapeln unzähliger Bücher und, ja, auch von zahllosen handbeschrifteten Zetteln, von denen ich kaum etwas entziffern konnte. Das gehört zum Flair gerade dann mit dazu. Und eigentlich macht das sowieso nichts. In Jimbocho kann man auch ohne nennenswerte Japanisch-Kenntnise Stunden damit zubringen, Bücher anzuschauen oder durch die Läden zu stromern und die Stapelkünste der Händler zu bewundern. Wirklich: Stunden!

Wer tatsächlich Japanisch kann und einkaufen möchte, sollte sich mit Taschen eindecken (einen entsprechenden Laden gab es übrigens in Bahnhofsnähe – ob das Absicht ist?).

Das Bücherparadies Jimbocho in Tokyo; Foto Bettina Schnerr

Angefangen hat das Ganze eher zufällig. Nach einem großen Brand anno 1913, der das komplette Viertel in Schutt und Asche legte, eröffnete ein Professor einen kleinen Verlag in diesem Gebiet (aus dem das heutige Verlagshaus Iwanami Shoten hervorging). Offensichtlich wirkte das als Initialzündung für Buchhandlungen, weitere Verlage, Buchbinder, Literaturagenten und eine Menge Cafés, in denen sich plötzlich Künstler, Schriftsteller und Studenten tummelten. Geändert hat sich daran bis heute nichts. In der Umgebung von Jimbocho liegen viele Universitäten und Schulen – der Zulauf ist also ungebrochen. Cafés und Snacks gibt es weiterhin an jeder Ecke. Wer sich nirgendwo sonst reintraut, findet garantiert eine Kaffeehauskette aus Übersee oder einen Nachahmer davon. Kein Wunder irgendwie, dass die Betreiber der Bahnlinien von Toei Subway sagen, die Bahnstation Jimbocho sei nach dem großen Bahnhof in Shinjuku die zweitgeschäftigste Station ihres Bahnnetzes.

Das Bücherparadies Jimbocho in Tokyo; Foto Bettina Schnerr

Selbstverständlich stehen in so einem Viertel auch seltene und teure Werke zum Verkauf. Man muss, wenn man sich dafür interessiert, nur noch wissen, wo. Bei Kitazawa wurde in der Rubrik “Englische Literatur” zum Beispiel gerade das vollständige Werk eines gewissen R. Crashaw in zwei Bänden von 1873 für 55.000 Yen (ca. 400 Euro) angeboten. Abhandlungen über Shakespeare stehen ab 4.000 Yen (30 Euro) aufwärts im Programm und die Werke des Meisters selbst, “The plays and poems of William Shakespeare”, kosten in einer Ausgabe von 1821 satte 750.000 Yen (ca. 5500 Euro), dafür aber “with the corrections and illustrations of various commentators” und mit Goldschnitt, eben ein “very nice set”.

Das Bücherparadies Jimbocho in Tokyo; Foto Bettina Schnerr

Die “Book Town” hat sogar eine eigene Website.

Für fremdsprachige Titel muss man sich ein bisschen umschauen, findet mit ein wenig Vorabrecherche aber in der Regel wenigstens eine Buchhandlung, die in Frage kommt. Das bereits erwähnte Kitazwa wird von Tokyo Tokyo als der bedeutendste “englisch bookstore” gelobt; Englisches gibt es auch bei Bondi Books und Italienisches bei Italia Shobo. Und irgendwo findet man ganz sicher auch deutsche Bücher.

Das Bücherparadies Jimbocho in Tokyo; Foto Bettina Schnerr

Fotos: Bettina Schnerr

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