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Calmsounds; Foto: Inge Maria (unsplash)

Calmsounds fürs Homeoffice

Besser Schreiben und Bloggen im richtigen Ambiente

Wer in Ruhe arbeiten will, den stören viele Umgebungsgeräusche schnell. Das Radio, die Straßenbahn vor der Tür, Geschwätz im Flur oder das Dröhnen von einem Kopierer. Experten sind sich sicher, dass Störgeräusche die Gehirnleistung merklich senken; die Betroffenen hören wohl den Lärm, merken aber nicht immer, dass sie schlechter konzentriert sind. “Sprache, Musik mit Gesang, aber auch bestimmte Arten von instrumentaler Musik hindern uns, Information im Kurzzeitgedächtnis zu behalten,” beschrieb Psychologin Maria Klatte in Zeit Campus.

Es sollte also mucksmäuschenstill sein, könnte man meinen. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Bestimmte Geräuschkulissen unterstützen die Konzentration: “Man kann sagen, dass ruhige, langsame Instrumentalmusik — wie zum Beispiel Meditationsmusik — zumindest keine negativen Wirkungen auf Lern- und Denkleistungen hat. Solche Musik schafft eine Klangkulisse, die vielen Menschen angenehmer ist als absolute Stille und zudem auch störende Geräusche maskieren kann.”

Ganz oben auf der Hitliste stehen so genannte White Noises und unter denen wiederum sind Naturgeräusche der Renner. Damit fühlen sich die meisten Menschen spontan am wohlsten. Ich stelle euch sieben Webseiten für euren Klangteppich beim Schreiben, Bloggen, Lesen oder Entspannen vor.


A soft murmur

Die Seite A Soft Murmur bietet zehn verschiedene Soundmuster an, die beliebig und in variablen Lautstärken miteinander kombiniert werden können. Regler unter den jeweiligen Piktogrammen erlauben jedes gewünschte Mischungsverhältnis. Neben den Naturklassikern wie Regen, Wellen oder Grillen gibt es zudem Klangschale, Café oder einfach Rauschen als Klangkulisse. Eine “Mäander”-Funktion übernimmt auf Wunsch das Mischen mit einem Zufallsgenerator und spielt immer wieder neue Sounds in unterschiedlichen Stärken ein. Außerdem bietet die Website eine Timer-Funktion. Damit lässt sich minutengenau einstellen, ob die Sounds nach einer bestimmten Zeitspanne beginnen, enden oder allmählich leiser werden sollen. A Soft Murmur gehört zu den Anbietern, die eine wunderbar aufgeräumte Optik haben und mit dieser ruhigen Darstellung das Ziel der Sounds wunderbar transportieren.

Derzeit gibt es eine kostenfreie App für Android, die von den 10 Sounds vier kostenfrei anbietet und die anderen sechs nach In-App-Kauf freischaltet. Allerdings, denke ich, lässt sich mit Regen, Donnergrollen, Wellen und Wind schon einiges anfangen. Eine App für iPhones ist derzeit in Arbeit.

My Noise

Sehr technisch hingegen, aber recht übersichtlich nach kurzem Querlesen, kommt My Noise daher. Die Sounds werden offenbar künstlich generiert, aber der Klang ist großartig. Hier wählt man zunächst einen Generator aus einer Liste aus, darunter Radio Streams, Atmospheres, Natural Noises oder Transports. Erst dann gelangt man zu Ozeanwellen, Regenwald oder tibetischen Chören. Die bunten Regler erlauben nicht nur eine Lautstärkeregelung, sondern auch ein wenig Spielerei mit Höhen und Tiefen. Die Sounds können zudem nach Zweck ausgewählt werden, wie Geräuschunterdrückung, Klangherapie oder Meditation und für Menschen, die spezielle Frequenzen schlechter hören, gibt es Sounds, die sich mit Hilfe einer Kalibrierung anpassen lassen. Allerdings sind einige Funktionen nur für zahlende Mitglieder mit Login erhältlich. Einzelne Tracks können als Download-Version gekauft werden.

Die App ist für iPhone verfügbar, für Android soll eine App folgen. Die App bietet Timer, einen Alarm und einige Animationen, liefert aber nur einen Ausschnitt aller Sounds. MyNoise sagt, es seien aber die wichtigsten: White Noise (als Geräusch- und Tinnitusunterdrückung), Rain Noise (Geräuschunterdrückung, Stimmungsaufheller, Meditation) sowie “Binaural Beats” (Klangtherapien).

Noisli

Mit dem deutschen Angebot Noisli kommt das derzeit kompletteste Paket. Die Website ist schlicht, aufgeräumt und organisiert, arbeitet bei der Soundauswahl mit Piktogrammen und die Hintergrundfarbe wechselt kontinulierlich – wie bei einer Farbtherapie. Insgesamt gibt es 16 Sounds, darunter drei Mal Rauschen, aber auch Eisenbahnschienen oder Blätterrauschen. Alle Sounds können beliebig mit Hilfe von Reglern gemischt werden. Auf Knopfdruck stellt Noisli gezielt Soundkombinationen für “Productivity” oder “Relax” zusammen. Ein kostenfreier Account versorgt den Nutzer nach dem Login mit der Möglichkeit, bevorzugte Soundkombinationen zu speichern und mit einem Timer zu arbeiten, der auf der Pomodoro-Technik beruht. Außerdem verfügt Noisli für Abonnenten über einen Text-Editor, mit dem man ablenkungsfrei schreiben kann. Der Editor unterstützt Markdown Syntax. Gespeichert wird lokal im Browser, als txt-File, auf Google Drive oder in der Dropbox.

Noisli hat Apps sowohl für Android als auch iOS und bietet eine Extension für den Chrome Browser an. Die App kostet 2 Dollar, verfügt damit aber über fast alle Funktionen, die als Abonnent auch auf der Website erhältlich sind (Ausnahme Editor): Timer, Speicherfunktion und eine Fade-out-Funktion.

Calmsound

Kunterbunt geht es zu bei Calmsound, der “Oasis of Relaxation”. Je nach Geschmack rutscht das schon ein bisschen in den Kitsch (also: hier!). Dafür sind die Natursounds einzigartig: Sie sind nämlich echt. Hinter dem Angebot steckt ein britischer Komponist und die Namen der Sounds verraten, wo die Geräschkulisse aufgezeichnet wurde: Country Garden, Niagara Falls, Coogee Beach oder Antarctic Wind. Sechs Sounds zur Untermalung sind ruckzuck anwählbar und aus den Thumbnails, kombiniert mit den Titeln, geht gleich hervor, welcher Sound zu haben ist. Sechs weitere Sounds findet man über die Menüleiste. Parallel dazu bietet Camsound eine Funktion, die die anderen nicht haben: Videos. Wer für ein paar Minuten komplett abschalten will, lässt sich (gerne auch im Vollbildschirm) visuell entführen.

Eine App gibt es bei Calmsound nicht, dafür kann man (u.a. bei iTunes, Google play und spotify) einzelne Stücke und Compilations als Download kaufen, bei Amazon auch als CD.

Jazz and Rain

Mit einem besonderen Angebot wartet Jazz and Rain auf. Der Basissound ist Regen, mit leichtem Donner gemischt. Nach Belieben und Geschmack wird relaxter Jazz darüber gelegt. Die Standardfunktion liefert eine bunte Mischung, aber man kann die Auswahl verfeinern auf Electro Swing oder Vocal Jazz. Die Buttons Chill Music oder Epic Music leiten auf andere Angebote (u.a. zu Musik, wie man sie in großartigen Filmszenen sieht). Der Look ist sehr elegant und clean, weil für jeden Screen nur ein Hintergrundbild gewählt wird, der sonst wenig Designelemente, Schriften oder Buttons enthält.

Jazz and Rain bietet eine kostenfreie App für iOS an, die sich auf die Jazz/Regen-Sounds konzentriert und auch in der App für beide Soundkomponenten separate Lautstärkeregelungen bietet.

Rainy Mood

“Regen macht alles besser” ist das Motto von Rainy Mood und dementsprechend konsequent sortiert ist das Angebot: Regen und Gewitter. Mehr nicht. Die Website zeigt ein schlichtes Hintergrundbild mit Regentropfen an einer Scheibe und es gibt (fast) keine weitere Auswahl auf der Website. Erst, wenn man ganz nach unten scrollt, kann man den Regen mit einem täglich wechselnden Musikstück kombinieren. Dieser Sound ist zwar ruhig, aber etwas ganz anderes als die Calmsounds, die man eigentlich sucht.

Mehr liefert in diesem Fall nach eigenen Angaben die App, die für iOS und Android zu haben ist: Sie unterscheidet zwischen vier verschiedenen Regenszenen (Classic, Ocean, Countryside und Café) und bietet über 400 Soundeffekte (Donner, Grillen, Ozeanwellen, special effects oder auch Regen, der auf unterschiedliche Untergründe wie Gras, Blechdächer oder Stein fällt). Es gibt zudem einen Timer, der die Soundkulisse sanft auslaufen lässt – für den Fall, dass man sich vom Regen beispielsweise in den Schlaf wiegen lässt. Und die App kann parallel zu eigenen Musikstücken gespielt werden.

Coffitivity

Coffitivity fällt von der Klangkulisse her aus dem Rahmen: Es gibt keine Naturgeräusche, sondern ausschließlich das leise Untergrundmurmeln und Geschirrgeklapper aus Caféhäusern, Bistros und Restaurants. Drei Geräuschkulissen sind verfügbar (Morning Murmur, Lunchtime Lounge, University Undertones), drei weitere werden für 9 Dollar ein Jahr lang freigeschaltet. Eine Summe, die man für die Sounds selber nicht ausgeben muss, die man aber ggf. als Donation für den Service verstehen kann, wenn man ihn sehr mag. Ähnlich wie bei Noisly begann das Projekt, so sagen die Macher, als Nebenbeschäftigung von Freelancern, die sich mit den Sounds in erster Linie selbst helfen wollten. Bei Coffitivity findet man am meisten Drumherum: Die Anbieter bloggen über Freelancer, die Arbeit oder das Prokrastinieren und schreiben über Untersuchungen, die zur Wirkung von Hintergrundgeräuschen gemacht wurden.

Auch Coffitivity gibt es für unterwegs, als kostenfreie App für iOS und Android, mit den drei kostenfreien Sounds der Website.


Foto: Inge Maria (unsplash)   

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