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Colin Cotterill – Der Tote im Eisfach

Colin Cotterill - Der Tote im EisfachDer 73-jährige Dr. Siri Paiboun, einziger und querköpfiger Leichenbeschauer in Laos, leidet. Man hat ihn verdonnert, an einer politischen Konferenz im Norden des Landes teilzunehmen, wo es ihn kaum überrascht, als einer der Genossen mutmaßlich aus Langeweile tot vom Stuhl fällt. Unterdessen hält seine Assistentin Dtui in der Hauptstadt die Stellung und hat es auch nicht leichter. Im Leichenschauhaus wurde versehentlich ein Toter tiefgefroren – die neue sowjetische Kühlkammer ist unerwartet effektiv –, der sich später als höchst explosiv erweist: Im Bauch der Leiche findet sich eine Handgranate, die wohl für Dr. Siri gedacht war. Während Dtui der Sache nachgeht, wird Siri entführt und bekommt es mit einem Fall zu tun, der mindestens ebenso mysteriös ist wie das Rätsel des eisgekühlten Unbekannten.

Rezension

“Ich habe keine sechsjährige Ausbildung bei den besten ihrer Zunft absolviert, um mich in meiner alten Heimat von einem Bauernmädchen belehren zu lassen.”

Der Stellvertreter Dr. Siris, der für die Obduktion eines Soldaten eilends herbeigerufen wurde, ist von seinen Gehilfen wenig angetan. Während Siri große Stücke auf seine Assistentin Dtui hält, würde sich Herr Mot von ihr höchstens das Essen servieren lassen. Dabei hat sie den richtigen Riecher und es braucht intensive Interventionskünste von Geung, um der ganzen Gruppe das Leben zu retten: Der Tote war eine raffinierte Falle und mit einer Handgranate gespickt.

Die Frage ist: Wer will Dr. Siri schaden? Oder weiß man, dass dieser weg ist und galt der Anschlag Dtui und Geung? In Vientiane müssen die Betroffenen ohne Siris Hilfe selbst Hand anlegen, denn ihr Chef hat eigene Probleme: Er wurde im Norden des Landes gekidnappt und soll einer Hmong-Familie helfen.

Die Hmong und ihre Geschichte nehmen den größten Teil der Erzählung einv und Cotterill bringt damit wieder ein ordentliches Stück Landesgeschichte ins Spiel. Über das Laos aus jener Zeit ist wenig bekannt und die Krimis bieten eine ideale Bühne, um die Lücken wenigstens ansatzweise zu füllen. Obgleich sich Cotterill im Vorwort schon dafür entschuldigt, dem Buch zuliebe das eine oder andere besser dargestellt zu haben, als es je gewesen sei.

Die Hmong sitzen gesellschaftlich zwischen allen Stühlen und waren Spielball der politischen Strömungen im Land. Auch im herrschenden System nimmt man ihnen alles krumm; Siri wird ihnen am Ende helfen müssen, das Land zu verlassen und an einem anderen Ort ein Leben ohne Lebensgefahr aufzubauen. Vorher aber muss er das Rätsel um die von einem Dämonen geschwängerte Hmong-Tochter lösen. Dahinter steckt jedoch eine ganz andere Sache als die Hmong denken. Der Geisterwelt muss sich Siri zwar erneut stellen, aber in einer ganz anderen Angelegenheit.

Ganz ohne Geisterwelt geht es bei Dr. Siri nie, aber ein Detail fällt auf: Siri löst just die Fälle immer ganz ohne magisches Zutun, bei denen jeder andere eine Tat der Geister vermutet. Damit verfügt er, der selber den Geist eines Hmong-Schamanen beherbergt, über eine ganz andere Geistergläubigkeit als die meisten anderen Laoten, für die alles unerklärliche sofort übernatürlich wird.

Erst am Ende, als der Part um Dr. Siri beendet ist, kehrt die Geschichte wieder nach Vientiane zurück. Cotterill lässt den Leser einige Kapitel zuvor mit einem harten Cliffhanger zurück und serviert das Treiben um den mysteriösen Toten im Rückblick. Ebenso mysteriös ist, wie der so gewieften Dtui, die sich von ihrem frisch angetrauten Ehemann, dem Polizisten Phosy sowie Siris schlauer Frau Daeng helfen lässt, am Ende doch ein gewichtigen Fehler unterläuft. Ein oder zwei Bände weiter werden uns die Folgen begegnen.

Bibliografische Angaben

Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54681-7
Originaltitel: Curse of the pogo stick
Erstveröffentlichung: 2008
Deutsche Erstveröffentlichung: 2012
Übersetzung: Thomas Mohr

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