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Daniel Depp – Stadt der Verlierer

Daniel Depp - Stadt der VerliererDavid Spandau hat die Arbeit als Stuntman aus Altersgründen an den Nagel gehängt, arbeitet als Privatdetektiv und lässt sich regelmäßig beim Rodeo aus dem Sattel werfen. Zudem pflegt er einen starken Hang zum Whiskey, zum guten alten Wilden Westen und zu seiner Exfrau Dee. Sein neuer Auftrag lautet, Bobby Dye, den angesagtesten Shootingstar am Hollywood-Himmel, zu beschützen, weil dieser Morddrohungen erhalten hat. Aber schnell kommt Spandau dahinter, dass der Clubbesitzer und Großdealer Richie Stella etwas gegen den jungen Schauspieler in der Hand hat und ihn erpresst.

Rezension

Ein sehr berühmter Slogan über New York besagt: “If I can make it there, I’ll make it anywhere!” Für Los Angeles dagegen klingt das mit den Worten von Robert Mitchum so: “L.A. ist eine Stadt der Verlierer. Schon immer gewesen. Wer es nirgendwo sonst zu etwas bringt, kann es hier schaffen.” Dieser Ausspruch wurde zur Eröffnungssequenz des Romans, die “Stadt der Verlierer”. Eine Stadt, in der der ehemalige Stuntman David Spandau seinen Lebensunterhalt inzwischen abseits der Hollywood-Studios verdient. Er arbeitet nebenher als Rodeo-Reiter und hauptberuflich als Privatdetektiv. Ein Job, den er schätzt, der ihn aber auch die Ehe gekostet hat.

Spandaus Chef schickt ihn zur Agentin eines aufstebenden Filmstars; der junge Bobby Dye wird erpresst und fordert Schutz an. Doch Spandau merkt schnell, dass eigentlich etwas anderes dahinter steckt. Dye wird erpresst und hat vielmehr Angst um sich und seine Zukunft. Er hat sich zu sehr auf den verlockenden Nebenschauplätzen des Showbusiness ausgetobt und sich von Richie Stella diskret aus einem höchst miserablen Dilemma helfen lassen. Doch wie soll Spandau sich mit einem Clubbesitzer und Drogendealer anlegen, der von der Mafia protegiert wird? Stella ist zwar nicht mittendrin in einer der alteingesessenen Familien, aber ausreichend beteiligt, um ihm einen gewissen Schutz bei seinem Geschäften zu gewähren. Und sein aktuelles Ziel ist es nun mal, einen Film zu drehen, Dye vor die Kamera zu kriegen und sich mit Hilfe der prominenten Melkkuh zu einer Größe im Filmgeschäft zu machen.

Mit dem Auftrag landet Spandau im Herzen seiner ehemaligen Arbeitswelt, die mittlerweile sehr viel Nervenstärke erfordert. Im Prinzip sind ausnahmslos alle Menschen, die beim Film sind, in beliebiger Kombination affektierte, größenwahnsinnige, exaltierte, hysterische, nervöse und mit Arbeit zugedröhnte Typen. David Spandau eckt mit seiner Normalität schon beim ersten Beschnuppern mit Dyes Agentur an. Er schleimt nicht, er redet Klartext … und bekommt den Job trotzdem. Das Filmgeschäft scheint den Menschen derart zuzusetzen, dass sie sich von gängigen Kommunikationsmethoden und Organisationsfragen entfernen und an ihrem Job geradezu ihre gesamte Existenzberechtigung festmachen. Das Dumme daran ist freilich, dass sie damit zu leicht manipulierbaren Spielbällen von Menschen wie Stella werden. Schauspieler werden zu Opfern ihres Ruhms, Agenten zu Opfern von Geltungssucht. Schöne Menschen gibt es zuhauf, aber wenige sind so unbeschwert wie in den Filmen.

Der rasante Krimi nimmt uns mit zu Bobby Dye und seiner Entourage, zu Ritchie Stella und seinen Handlangern. Jeder von ihnen lebt in seiner eigenen kleinen Traumfabrik. Stellas Mann für’s Grobe, Potts, träumt von einem ganz normalen Leben mit Frau und Häuschen; Stella träumt vom großen Filmbusiness und rechnet sich gute Chancen aus, schließlich steckten seit jeher Mafiagelder in vielen Produktionen. Auch David Spandau hängt so einem Traum nach. Seine Ex-Frau Dee ist immer noch seine große Liebe und er ist ihre. Niemand begreift, warum sich die beiden getrennt haben und nicht zum ersten Mal dürfte ihm die Ex-Schwiegermama dafür den Kopf waschen. Spandau versucht es ohne seine Frau, Dee versucht es mit einem neuen Mann.

Daniel Depp nimmt man die Innensicht der Branche auf alle Fälle ab. Abgesehen, dass er der Bruder von Johnny ist, ist er seit langen Jahren selber Insider als Drehbuchautor und Produzent. Da stimmen denn auch die Hintergrundinfos, von denen man vielleicht schon mal gehört hat, aber lieber vergisst: Dass die organisierte Kriminalität gerne die Finger im Spiel hat. Dass Hollywood fantastische Träume wahr werden lässt, aber hinter den Kulissen Machtkämpfe, Gerangel und Ausbeutung herrschen. Dass der schöne Schein sehr dunkle Schattenseiten hat. Dass hinter den Kulissen nur wenigen ein echter Traum in Erfüllung geht. Depp erzählt rasant und flott und hat den Leser beim Haken. Aber es ist dabei doch weitaus weniger locker-flockig, als die vollmundigen Vergleiche mit Charme, Steve Martin oder Witz es vermuten lassen. Daniel Depp verfällt am Ende nicht dem Hollywood-Diktus des grandiosen Happyends. Er bleibt in der Spur und macht auf seine Serie damit weitaus neugieriger, als es ein Hollywood-Ende vermocht hätte.

Bibliografische Angaben

Verlag: Bertelsmann
Originaltitel: Loser’s Town
Erstveröffentlichung: 2009
Deutsche Erstveröffentlichung: 2009
Übersetzung: Regina Rawlinson

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