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Felix Mettler – Pralinen, Sherlock und ein Teddybär

Für diesen Titel ist kein Coverfoto vorhanden; Ersatzbild: Bettina SchnerrEin Schwerverletzter wird in Zürich in die Notfallstation eingeliefert. Als ihn die junge Ärztin Leonie Graf untersucht, stellt sie fest: Das ist unmöglich Daniel Bachmann, dessen Pass sie vor sich hat. Kurze Zeit später erkundigt sich der echte Daniel bei ihr nach dem Zustand des Patienten.

Rezension

Leonie Graf hat Bereitschaftsdienst und bekommt die Ankunft eines Schwerverletzten angekündigt. Der Betreffende wurde Opfer eines Zugunglücks in Indien und wird nun nach einer ersten Operation vor Ort zur weiteren Behandlung in die Schweiz zurückgebracht. Als Leonie Ausweis und Patient vergleicht, merkt sie, dass die Angaben nicht zusammen passen. Selbstverständlich kümmert sich die Polizei um das Identitätsproblem. Und damit handelt sich Leonie Graf sofort Ärger ein, denn ihr Freund gehört zu den beteiligten Polizisten und der versteht nicht, warum sich Leonie gegen seinen Verdacht zur Wehr setzt, der Patient sei ein Verbrecher. Leonie weiß etwas mehr als die Polizei, doch diese Informationen teilt sie lieber mit ihren beiden Mentoren, Patenonkel Anton und dessen Freund Maurice.

Anton, ein ehemaliger Oberrichter, und Maurice können Leonies Sorgen bestens nachvollziehen und kümmern sich intensiv selbst um die Lösung des Problems. Denn der echte Besitzer des Passes macht sich Sorgen um den Patienten und verrät, wie die Pässe überhaupt vertauscht werden konnten. Weil sie soviel weiß und das hartnäckig zurückhält, sitzt Leonie erst recht in der Tinte und benötigt Hilfe wirklich doppelt. Denn der Patient schwebt in plötzlich Lebensgefahr und Daniel Bachmann, der eigentliche Besitzer des Passes, ist trotz seiner Verwicklung in diesen Fall ein viel zu attraktiver und sympathischer Typ.

So schön die Idee gestrickt ist, überzeugend ist der Fall nicht geraten. Dass der Kriminalfall sehr betulich gerät und alles schön glatt geht, könnte man wegstecken, wenn die Rahmenhandlung etwas hergeben würde. Doch auch das war nicht der Fall. Anton und Maurice fallen die Ermittlungsergebnisse geradezu in die Hände, vor allem, weil Maurice finanziell so gut ausgestattet ist, dass er kurzerhand selbst nach Indien zum Ermitteln fliegen kann. Das ist noch viel mehr “easy going” als bei Lord Peter Wimsey und Paul Temple zusammen. So “easy going”, dass Leonie genug Zeit hat, mit Daniel anzubändeln und sich zu überlegen, ob man mit diesem jungen Mann den soeben abgezogenen Polizisten-Ex-Freund mit Bonus ersetzen kann.

Als Zürikrimi geht’s nicht durch, weil der Roman auch in jeder anderen Stadt hätte spielen können. Für einen Krimi plumpst die Lösung allzu rasant und problemlos auf den Tisch und für eine Romanze ist dann zuviel Drumrum dabei, sodass auch die Romanze absehbar abgespult wird. Daran ändert auch ein zickiger Anruf von Daniels Noch-Freundin nichts. Zu alledem kommt Ärger am Arbeitsplatz, weil Leonies Vorgesetzter an ein altes Vergehen erinnert wird und sich fuchsig zur Wehr setzt, wenn es um die Behandlung des Indien-Patienten geht. Summa summarum fehlt es dem Buch an vielem, weil es zuviel einpackt und alles nebenbei an der Oberfläche ankratzt.

Bibliografische Angaben

Verlag: Appenzeller Verlag
ISBN: 978-3-858-82535-3
Erstveröffentlichung: 2012

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