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Francis Nenik – Ach, bald crashen die Entrechteten furchtlos …

Francis NenikDies ist ein Buch über einen uruguayanischen Unruhestifter. Und eins über einen englischen Elfmeterschützen, dem eine Elfe erscheint. Dies ist aber auch ein Buch über einen belgischen Bibelforscher, der von einer bumsfidelen Bibliothekarin bestiegen wird. Und selbstverständlich auch eins über ein Weibsbild, das Weltmeisterin im Wurstgesteckwinden werden will.

Und eigentlich heißt das Buch in voller Länge:

Ach, bald crashen die Entrechteten furchtlos gemeingefährliche, hoheitliche Institutionen, jagen kriegserfahrene Leutnants mit Nachtsichtgeräten oder parlieren querbeet Russisch, Swahili, Türkisch und Vietnamesisch, während Xanthippe Yamswurzeln züchtet

Desweiteren spielen mit: ein coupierter Chow-Chow, ein humpelnder Handwerker mit einer Hasenpfote, jadegrüne Jockeys, die Juwelen jagen, dutzende durchtrainierte Dreizentnerpolizisten, ein tölpelhafter teutonischer Träumer sowie jede Menge irrsinnig irrlichternde Idioten.

 

Rezension

Den Buchtitel des Jahres habe ich bereits gefunden. 26 Wörter, alphabetisch geordnet, eine kleine Szenerie erzählend. Es ist eine reizvolle Sprachspielerei, leichtfüßig und ganz einfach nachzumachen. Ach ja? So sieht es nur auf den ersten Blick aus, denn wer sich durch die 26 Alliterationen bewegt, die dann im Buch folgen, merkt schnell, dass viel mehr Grips und Hartnäckigkeit dazugehören als vermutet. Begeleitet wird jeder Text mit Zeichnungen von Halina Kirschner, die die Episoden mit schwarz-weißen Illustrationen aufgreift.

Jeder der 26 Texte ist strikt einem Anfangsbuchstaben gewidmet und um dieses Ziel zu erreichen, spielt Nenik nicht nur so lange mit dem Inhalt und den Wörtern, bis es passt. Er findet auch Erzählvarianten, um mit dem gezwungenermaßen kleinen Vokabular seine Geschichte zu erzählen. Und wen Nenik mit der Idee zur Alliteration nicht schon in der Tasche hat, den holt er vermutlich mit diesem zweiten Trick. Unter A finden sich zwei clevere Listen (vermeidet geschickt die Verben), bei Q wird gedichtet, unter B präsentiert Nenik Ausschnitte aus dem Börsen-Blatt und unter E wird eine richtig schöne Fußballergeschichte serviert – nicht unter F!

Harmloser Quatsch oder ein bisschen Unfug ist freilich dabei, mitunter jedoch auch Umerziehungsmaßnahmen und kleine Racheakte. So wie der von Schlomo Schmoker: Dem Kettenraucher soll von seiner Schwester zum Nichtraucher erzogen werden. Das riecht nach Ärger und Kirschner hat die Seite treffend mit Schmauchrauch ganz pechschwarz gefärbt.

Aus den Buchstaben X und Y, die kaum sinnvoll zu lösen scheinen, machen Nenik und Kirschner mit einer perfekten Abstimmung von Bild und Text meine kleinen Highlights.

Das persönliche Fazit: Eine einwandfreie Empfehlung, echt!

Bibliografische Angaben

Verlag: ed cetera
ISBN: 978-3-94447800-5
Erstveröffentlichung: 2013

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