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Hansjörg Schneider – Hunkelers Geheimnis

Hansjörg Schneider - Hunkelers GeheimnisPeter Hunkeler, inzwischen pensionierter Kommissär des Kriminalkommissariats Basel, ist nach einer Operation im Krankenhaus und teilt das Zimmer mit einem alten Bekannten: Stephan Fankhauser, einer schillernden Figur. Einst ein wilder Achtundsechziger, ist er im Laufe der Jahre durch die Institutionen marschiert und Leiter einer Bank geworden, der Basler Volkssparkasse. Nun ist er schwer krank. Eines Nachts, Hunkeler hat bereits ein Schlafmittel erhalten, beobachtet er, wie eine Krankenschwester mit einem Rubinring an der Hand dem Zimmernachbarn eine Spritze setzt. Merkwürdig nur, dass Fankhauser sich so heftig dagegen wehrt. Und trug die Nachtschwester sonst nicht immer einen Diamantring? Am nächsten Morgen, als Hunkeler aufwacht, ist Fankhauser tot. Hat Hunkeler alles nur geträumt? Er ist sich nicht sicher, aber er ist entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen.

Rezension

Peter Hunkeler ist in Rente, aber keineswegs im Ruhestand. Er knorzt wie immer vor sich hin und ist entsprechend schnell genervt, als sein Zimmernachbar Stephan Fankhauser im Spital offenbar einen Gesprächspartner sucht. Hunkeler fühlt sich kein bisschen zuständig. Da ist es auch egal, dass sie früher beide in derselben linken Studentenbewegung unterwegs waren. Trotzdem lässt ihm eine nächtliche Beobachtung keine Ruhe: Eine Krankenschwester setzt Fankhauser eine Spritze. Die Frau sieht anders aus, als die Nachtschwester, die sonst kommt, sie duftet anders und Fankhauser hatte auch nicht nach Medikamenten verlangt. Im Gegenteil, Hunkeler glaubt sich sogar daran zu erinnern, dass sein Zimmernachbar die Schwester auf den falschen Zeitpunkt hingewiesen hatte. Aber was ist die Erinnerung eines Zeugen wert, der unter dem Einfluss eines Schlafmittels stand? Hunkeler weiß, dass diese Szene kaum verwertbar ist, aber Ruhe lässt sie ihm keine.

Der frisch gebackene Rentner pendelt zwischen Basel und seinem Häuschen im Elsass hin und her, quatscht mit den Nachbarn und viele haben irgendwie etwas zu Fankhauser zu sagen. Man kennt sich halt in der Region. Während Hunkeler durch die Beizen zieht und seine Tage genießt, werden drei weitere Vorfälle gegen aktive oder ehemalige Mitarbeiter der Basler Volkssparkasse mit Fankhausers Tod in Verbindung gebracht. Hunkelers Ex-Kollege Madörin riecht eine fette Verschwörung und der Staatsanwalt fürchtet gar um die Bank selbst und deren Einlagensicherung, die im Ernstfall von der Stadt Basel geleistet werden muss.

Es wäre kein Hunkeler-Krimi, wenn nicht alle Lösungen sehr viel privatere Hintergründe hätten. Die alten Weggefährten aus Studententagen sind keineswegs die radikalen Störenfriede, die die Polizei in ihnen vermutet – Hunkeler stellt erfreut fest, dass er nicht der einzige ist, der an Madörins Theorie zweifelt. Seine Stimmung kippt, als er – als ebenfalls Ex-Linker – ins Kommissariat berufen wird, um als “Insider” Auskunft über die damaligen Weggefährten zu geben. Das hätte Madörin und Staatsanwalt Suter besser bleiben lassen. Hunkelers Interesse an Geschichte, das er nun mit all der freien Zeit wieder aufleben lässt, und eine Zufallsbegegnung in der Beiz bringen Hunkeler irgendwann auf die richtige Fährte. Nicht das erste Mal findet er die Lösung in den Geschehnissen des 2. Weltkriegs. Was der Rentner Hunkeler mit dem Fall anstellt, ist eigenwillig, aber eben ganz Hunkeler.

Die Krimis um Peter Hunkeler bringen immer ein sehr eigenes Setting mit, in dem der Kommissar (repsektive Ex-Kommissar) viel mit sich selbst zu tun hat. Oft genug brachten ihn seine eigenwilligen Touren in Schwierigkeiten und einst derart, dass er fast schon frühpensioniert werden wollte. Jetzt hat er sein Ziel regulär erreicht, aber der widerspenstige Denker ist er geblieben. Jeder Fall stößt ihn auf wichtige menschliche Fragen, die er für sich zu beantworten sucht. Die Launen, die sich daraus ergeben, müssen die anderen aushalten. Am erstaunlichsten dabei entpuppt sich seine Lebensgefährtin Hedwig, die in aller Seelenruhe hinter seinem Rücken die Fäden in der Familie zu ziehen vermag. Den alten Knorz muss man auch als Leser mögen und wer das kann, darf sich am Ende mit den großen Fragen um Moral und Rache befassen.

Bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-25706-937-2
Erstveröffentlichung: 2015

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