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Glasscheibe mit Einschussloch; Foto: Stux (pixabay)

“Ich ertrage das nicht mehr”

Fünf Alternativen zur Krimi-Grausamkeit

Der Kritiker Elmar Krekeler lässt sich in einer seiner jüngsten Buchbesprechungen in voller Breite gegen eine bestimmte Krimifamilie aus. Warum ich das Gemetzel im Krimi nicht mehr ertrage heißt es. Eigentlich soll sich der Text um das neue Werk von Arne Dahl drehen, aber es wird zur Abrechnung mit allem, was in den Regalen mit Schlitzern, Horror und Gemetzel zu tun hat. Es wird ihm zuviel.

Geht es euch auch so? Oder vermeidet ihr solche Romane sowieso? Sie zu vermeiden ist gar nicht so schwer. Hier sind fünf Tipps, mit denen sich nicht nur das Gemetzel vermeiden lässt. Ich mache euch Vorschläge, mit denen ihr gleichzeitig aus Europa ausbrechen könnt. Ich führe euch nach Afrika, Südamerika und Asien mit jeweils ganz anderen Einsichten in Kriminalität.

Die Titel

Adaobi Tricia Nwaubani – Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy
Das Buch der Autorin führt nach Nigeria. Mitten hinein in das Leben der Scammer, geboren aus der Not heraus. Einfach ist das Leben in Nigeria nicht, und einfach macht es Nwaubani dem Leser folgerichtig auch nicht. Viele Nigerianer sind von der Scammer-Kriminalität ebenso wenig begeistert wie die Zielgruppe, doch die Lebensrealität lässt viele schwach werden. Wenn Integrität und Bildung nichts gelten, wohin dann?

Edney Silvestre – Der stumme Zeuge
Fast noch druckfrisch dieser Titel aus Brasilien, Krimi und Gesellschaftsanalyse. Silvestre stellt drei Gruppen gegeneinander, die Kriminellen, die Ehrlichen und die, die weder in die eine noch in die andere Kategorie passen: Brasilianische Wirtschaftsbosse und Politiker. Sie sind alles andere als integer, als Kriminelle aber werden sie nicht bezeichnet. Obwohl sie die Klaviatur sämtlicher Methoden ebenso gut beherrschen wie die, die sie von der instrumentalisierten Polizei verfolgen lassen.

Parker Bilal – Die dunklen Straßen von Kairo
In den finsteren Ecken Kairos ermittelt Makana und schlägt sich mehr schlecht als recht als Detektiv durch. Auf der Flucht vor den Islamisten aus dem Sudan verlor er Frau und Kind und seither sind die Tage schwer für ihn. Das Buch lebt von der intensiven Schilderung der Kontraste, die das Leben in Kairo bereithält. Makala lernt zwischen Gosse und Nobelclubs alle Facetten an Abgründen kennen.

Colin Cotterill – Mit Axt, Charme und Melone
Cotterill hat mit der Journalistin Jimm Juree eine neue Serie entworfen, die wieder von seinem lässigen und ironischen Blickwinkel geprägt ist. Ganz ohne Geister und mitten im Leben der Landbevölkerung von Thailand. In jedem Band rückt Cotterill konsequent ein kritisches Thema ins Rampenlicht. In diesem Fall ist es der Umgang internationaler Lebensmittelkonzerne mit den ärmeren Ländern dieser Welt.

Patricia Melo – Leichendieb
Noch einmal Brasilien. Melo lotet aus, wie weit Menschen gehen können, um Fehler zu vertuschen. Eine spontane und eher unüberlegte Schnapsidee löst einen rasanten Niedergang aus; aus einem ehemaligen Manager und seiner Freundin werden zwei, die ihren Hals um jeden Preis retten wollen, denn sie sind der Drogenmafia in die Quere gekommen. Aus einer kleinen Notlüge heraus entsteht ein giftiges Komplott, das nur noch schwer zu kontrollieren ist. Ein beängstigende Laufbahn.

Bettina Schnerr, September 2016


Foto: Stux (pixabay)

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