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Isabel Morf – Schrottreif

Isabel Morf - SchrottreifZürich, Stadtkreis Wiedikon. Mysteriöse Vorfälle ereignen sich im Fahrradgeschäft “FahrGut”: In einer anonymen Zuschrift wird die Besitzerin Valerie Gut beschimpft, ein Kunde kehrt von einer Probefahrt nicht zurück, aus der Kasse verschwindet Geld. Und dann liegt auch noch ein Toter im Laden. Eine echte Herausforderung für den erfahrenen Ermittler Beat Streiff von der Stadtpolizei Zürich und seine junge, energische Kollegin Zita Elmer. Auch Valerie ermittelt eifrig und stößt auf ein dunkles Geheimnis.

Rezension

Eigentlich ist Valerie Gut sehr stolz auf ihren Laden: Vom Vater übernahm sie dessen Fahrradgeschäft und machte daraus unter dem neuen Namen “FahrGut” einen erfolgreichen Laden, der nicht nur Publikum aus der näheren Umgebung anzieht. Doch Neider sind nie weit: Sie wird bestohlen, es gibt Schmähbriefe, giftende Herumtreiber und zu allem Überfluss liegt eines Tages ein Toter im Geschäft. Zwar reagiert die Polizei schnell und energisch, aber Valerie Gut fühlt sich verpflichtet, selbst mit Hand anzulegen. Immerhin hat es ihren Laden getroffen und ob man dem Ex-Geliebten, der inzwischen für die Kripo ermittelt, alles sagen sollte oder lieber nicht, kann sie nicht so recht entscheiden.

Anno 2009 war dieser Krimi für den Zürcher Krimipreis nominiert, weil er gemäß den Regeln “in Zürich spielt, spannend geschrieben ist und das Zürcher Lokalkolorit überzeugend wiedergibt”. Trifft zu. Bevor der Krimi in die Ecke “kuscheliger Regionalkrimi” abgeschoben wird: Es ist nicht mehr drin als in anderen vernünftg recherchierten Krimis, die an einem real existieren Ort spielen, das aber gezielt und gut untergebracht. Wobei Morf eine Handvoll lokale Besonderheiten detailliert einbringt: Der Veloladen samt Chefin hat ein echtes Vorbild und die Zeitung “Tachles”, in der Valerie Gut speziell ihre jüdische Kundschaft anspricht, gibt es wirklich.

Interessanter ist schon der Schauplatz an sich: Ein Fahrradgeschäft, in dem der Leser der Chefin über die Schulter schauen kann. Gut wettert über Federungen, die mit falschen Argumenten beworben werden; sie erklärt dem portugiesischen Lehrling Luís nicht nur das Schrauben, sondern versucht sich zudem als Deutschlehrerin und sie kann auch deutlich werden und eine überkanditelte Kundin aus dem Laden werfen. Valeries ungarische Freundin bleibt bei Telefonaten mit ihrem Bruder in der Muttersprache und Morf bleibt ebenfalls dabei: So kurz die Telefonate auch sind, sie sind in Ungarisch wiedergegeben und der Leser steht genauso fragend neben Lina wie Valerie es tut.

Vieles in diesem Krimi spielt sich zwischen Ladentür und Werkstatt ab. Im Nachhinein wirken andere Szenen eher wie eine Ergänzung eines kleinen Kammerspiels aus Wiedikon. Dort braut sich das Finale zusammen und obwohl der Personenkreis klein ist, genehmigt Morf außer Ahnungen keine offensichtlichen Schlussfolgerungen. Dort passt ein Detail nicht, hier ein anderes. Erst ein zweiter Todesfall führt die richtigen Spuren zusammen. Es ist in Gestalt von Salome Zweifel ein kleiner Kniff nötig, damit sich alles am Ende ohne zahllose Vernehmungen fügt. Und doch mag man die Geschichte so annehmen, weil ein Kniff wie dieser in einem lebendigen Quartier eben vorkommen kann.

Bibliografische Angaben

Verlag: Gmeiner
ISBN: 978-3-83921022-2
Erstveröffentlichung: 2009

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