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Jörg Steinleitner – Blutige Beichte

Jörg Steinleitner - Blutige BeichteLKA-Chef Karl Zimmerschied ist gerade Strohwitwer, weil seine Frau Roswitha auf Bali eine Auszeit nimmt und zu seinem Schrecken eine Oben-ohne-Bar eröffnen will. Mit seinem Job im LKA und dem Bauernhof, den er im Nebenerwerb parallel als Landwirt betreibt, ist er also vollauf ausgelastet. Ein Mord am Freund des Ministerpräsidenten in München, ausgeführt mit einem Dönermesser, landet direkt auf seinem Schreibtisch und soll zügig aufgeklärt werden. Zeitgleich meldet sich der amerikanische Präsident einen Besuch an und Karl muss die Sicherheitsvorkehrungen übernehmen. Dies und die mysteriösen Nachrichten, die er neuerdings bekommt, bringen ziemliche Unruhe in sein Leben und seinen Seelenzustand. Aber damit nicht genug! Zu Hause im Dorf wartet der Pfarrer und übergibt ihm Kriegswaffen, die jemand nach der Beichte im Beichtstuhl liegengelassen hat. Es gibt weitere Botschaften, die Karl an ganz unterschiedlichen Orten überraschen, weitere Übergriffe, Vorfälle und der Leser ahnt, es ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Unwillkürlich fragt man sich, wie führen alle diese ganz unterschiedlichen Fäden zusammen? Lassen sie sich überhaupt zusammenfügen?

Humor und Spannung vereint Jörg Steinleitner in seinem Krimi „Blutige Beichte“, in dem Zimmerschied sein Debüt gibt. Dabei lässt er den LKA-Mann ganz schön ins Schwitzen kommen und stellt ihn vor zahlreiche Herausforderungen. Ziemlich turbulent geht es offenbar in Bayern zu. Steinleitner den Leser mit in die internen Ermittlungsarbeiten und der Humor kommt trotz der ernsten Geschehnisse nicht zu kurz. Aber der Autor löst das stets sehr sympathisch und menschlich mit einem flüssigen Schreibstil und er macht aus Zimmerscheid keinen utopischen Helden.

Die Bezüge zu aktuellen politischen Personen und kriminellen Vorfällen bzw. Strafsachen lassen sich nicht verleugnen, auch wenn der Autor betont, alles sei frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden und verstorbenen Personen seien zufällig und nicht beabsichtigt. So stößt man auf den Potus, Reichsbürger, die NSU, eine vertauschte DNA-Ermittlung und ähnlich berüchtigte Bekannte.

Bei allen nach und nach auftretenden Personen schöpft der Autor aus dem Vollen und tobt sich charakterlich aus. Jeder von ihnen hat so seine Mucken, Macken und damit einen großen Wiedererkennungswert. Besonders im Kopf geblieben sind mir  Zimmerschieds Sekretärin Elisabeth Rötli, die Kommissare Barbara Veltroni, Hannes Söldinger und Tommy Hensch mit seinem Blindenhund Benno Bergmann. Alle bekommen ihre ganz eigenen Rollen und ergänzen den Chef ideal, stehlen ihm aber nicht die Show. Das Tempo, mit dem die Handlung vorangetrieben wird und die dabei aufrecht erhaltene Spannung haben mir am besten gefallen. Nur der Humor war hin und wieder zu überspitzt.

Der Krimi umfasst 48 Kapitel, denen immer eine besondere Überschrift mit Bezug auf den Inhalt gewidmet ist.
Empfehlen würde ich diesen Krimi allen, die trotz der vielen Ereignisse ein unterhaltsames, spannendes Buch mit lokalem Bezug suchen. Wer die Krimis von Jörg Maurer und Klüpfel & Kobr mag oder den Bullen von Tölz gerne geschaut hat, wird auch an diesem Buch seinen Gefallen finden.

Bibliografische Angaben

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-31135-9
Erstveröffentlichung: 2018

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