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Johanna Alba & Jan Chorin – Gloria!

Johanna Alba, Jan Chorin - Gloria!Eigentlich ist Papst Petrus II. bekannt für seine unermüdlich gute Laune. Doch im Moment gibt es wenig, worüber der sich sonst so lebenslustige Römer freuen könnte: Es ist Fastenzeit – ein willkommener Anlass für Schwester Immaculata, Haushälterin Seiner Heiligkeit, ihn auf Diät zu setzen. Und ohne Caffè und Cornetti ist Petrus nur ein halber Papst. Erst als beim Frühjahrsputz eine Kiste mit Knochen gefunden wird, bessert sich die päpstliche Laune: Handelt es sich um die Gebeine des heiligen Petrus? Auf der Karfreitagsprozession will der Papst die Reliquien präsentieren. Aber dann fällt ein Schuss, ein Frau stürzt in die Katakomben, und statt des Heiligen-Schädels hält Petrus eine billige Kopie in den Händen. Doch wer immer hinter dem Anschlag steckt – er hat seine Rechnung ohne den Papst und dessen legendäre Spürnase gemacht!

Rezension

Grässlicher kann eine Putzaktion nicht beginnen: Statt Staub und Spinnweben findet der Mönch Francesco alte Knochen. Es gibt Hinweise darauf, dass diese ursprünglich aus den Katakomben des Vatikans stammen … und vom heiligen Petrus selbst stammen. Der amtierende Papst Petrus ist völlig aus dem Häuschen und plant eine Präsentation zur Osterprozession. Aus dem Häuschen ist allerdings auch die äußerst gestrenge Schwester Immaculata: Sie will die Gebeine lieber unter Verschluss halten und registriert jedes kleine Unglück als göttliches Zeichen, die Präsentation wieder abzublasen.

Die Pläne des Papstes bringen in der Tat viele Menschen dazu, ganz eigene und völlig unchristliche Aktionen zu planen. Das Geschäft mit Reliquien erlebt einen ungeahnten Boom: Jeder meint, irgendein Knöchelchen besitzen zu müssen und jeder, der irgendwo her Knöchelchen bekommen kann, verkauft diese mit kreativen Herkunftsangaben. Und ein bekannter Römer, der besonders viel Geld bieten kann, versucht mit allen Mitteln, den kompletten Schädel aus den Petrus-Reliquien des Vatikans zu schmuggeln.

Beim zweiten Besuch im Vatikan sind die liebgewonnenen Personen alle wieder dabei: Pressesprecherin Giulia und Sekretär Francesco mögen sich nach wie vor, ein bisschen mehr, als es gemäß ihren eigenen Maßstäben guttut; Immaculata ereifert sich, wo sie kann, über die vermeintlichen Verfehlungen ihres Chefs und sie bringt sogar einen von Berufs wegen ohnehin kritischen Hotelchef ins Schwitzen. Das Personal vermag nicht ganz, den strengen Regeln bezüglich Enthaltsamkeit zu folgen und gerät zudem mit den Grenzen von Glauben und Wissenschaft in Konflikt. Alba und Chorin erzählen damit von den alltäglichen Folgen, die der außergewöhnliche Arbeitsplatz im Vatikan mit sich bringt. Das machen sie auf humorvolle Art, obwohl das eine oder andere sicher Stoff zum Nachdenken gibt.

Dafür gießen die beiden Autoren über den aktuellen Gegenspielern des Papstes bissige Satire aus. Der Jugendwahn erhält ein ganz besonderes Denkmal, das so absonderlich geraten ist, dass man direkt im knackigen Lesealter schon keine Lust mehr verspürt, später einmal auch nur ansatzweise nachzuhelfen. Das Finanzministerium bekommt einen Preis für außergewöhnliche Kreativität (auch, wenn manche sicher meinen, die hätten Ministerien dieser Art schon längst bewiesen). Was der dort führende Signore Fallimento und seine Mitarbeiter auf die Beine stellen, ist so herrlich abstrus, dass die Szenen im Ministerium geradewegs zum Lieblingsschauplatz werden.

Auch der zweite Vatikan-Krimi ist wieder muntere Unterhaltung geworden. Trotz des liebevollen Humors, mit dem Alba und Chorin erzählen können, kommen immer wieder kritischen Aspekte zutage und nicht zuletzt auch eine gut verpackte politische Stellungnahme. Ganz nebenbei intrigiert noch die englische Queen mit, die ganz besondere Wünsche an ihre Fußball-Nationalmannschaft hat. Also: Cornetto und Caffè auf das Tischchen neben dem Lesesofa stellen, die Gazzetta dello Sport zur Seite legen und zum gelben Buch mit dem Papst greifen.

Bibliografische Angaben

Verlag: rororo
ISBN: 978-3-499-25755-1
Erstveröffentlichung: 202

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