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Katrine Engberg – Krokodilwächter

Katrine Engberg - KrokodilwächterEigentlich klingt es nach einem herrlich urbanen Leben: In dem kleinen Haus in der Klosterstræde wohnen gerade mal drei Parteien und alles ist in Laufweite. Parks, die Universität, Läden, Kaffees und Kneipen. Uriges Altstadtleben eben. Genau das erwartete auch die junge Julie, als sie sich an der Uni eingeschrieben hatte, bei einer Freundin unterkam und mit dem Studium begann.

Doch während ihre Freundin Caroline in Urlaub ist, wird Julie ermordet. Das hinterlässt nicht nur die Hausgemeinschaft verstört zurück, auch, wenn man sich sonst grundsätzlich wenig begegnete und kaum miteinander zu tun hatte.

Das Warum ist eine undurchschaubare Sache

Die Polizei sammelt Spuren, tut, was zu tun ist und kommt zunächst doch keinen Schritt weiter. Die Ermittler Jeppe Kørner und Anette Werner fühlen sich irgendwann veralbert: Es gibt Spuren, manche widersprechen sich, Julies Vater zeigt neben Trauer eine seltsame Vergötterung seiner Tochter und irgendwo spukt ein neuer Freund in Julies Leben herum, der sich nicht auftreiben lässt.

Jepp betrachtete die herabgefallenen Blütenblätter und die Taubenkleckse im Kies und dachte: Ein Mosaik aus Blumen und Scheiße — das ist Kopenhagen.

Als der Täter beginnt, mit der Polizei zu spielen, haben die natürlich alle Hände voll zu tun — die Medien hängen an ihren Fersen und geleakte Details des Mordes beunruhigen die Kopenhagener. Andererseits ist das eine Chance für Kørner und Werner, um näher an die Motivation des Täters und damit auf seine Spur zu kommen.

Das Rätsel um Huhn oder Ei

Auch Julies Vermieterin Esther de Laurenti spielt plötzlich eine Hauptrolle: Sie präsentiert der Polizei ein Manuskript, dessen Hauptperson Julie verblüffend ähnelt. De Laurenti hat sich von ihrer jungen Mieterin inspirieren lassen. Allerdings ist der reale Mord an Julie das genaue Abbild jenes Mordes in ihrem Romanentwurf. Engberg zeigt immer wieder Fragmente des Textes, der mit Julie zu korrespondieren scheint. Doch solange nicht klar ist, wer den Entwurf kennt, wann er überhaupt entstanden ist und welche Verbindungen zwischen Julie und all den Bekannten bestehen, kann natürlich niemand die Situation richtig einschätzen.

Sag mal, befinden wir uns mitten in einem beschissenen Kriminalroman?

Katrine Engberg baut die nötigen Ingredienzien für einen klassischen Krimi schnell auf. Als Leser hat man bereits nach wenigen Seiten die meisten Rätsel beisammen und darf nun raten, wohin die Reise führt. Die verläuft, das kann ich versprechen, wendungsreich. Es wird auch nicht bei einem Toten bleiben.

Mich persönlich haben die Schilderungen des Mordes eine Weile von diesem Buch abgehalten. Wenn offenbar durchgeknallte Psychos zu Tätern werden, verliere ich recht schnell die Lust. Es gibt aber Bücher, bei denen ich das gekonnt ignorieren kann, wenn mich Tempo, Stil und/oder Details bei der Stange halten können. In diesem Fall waren zum Glück so. Am Ende steht natürlich der so ungeliebte Psycho, aber es gibt biografische Details, die ich stimmig eingebaut fand. Es war der für mich neue Schauplatz und es waren Personen dabei, die sich auf eine gewisse Art und Weise selber finden. Alles in allem also ein Paket, das mir doch gefallen konnte und eine Autorin, die ich wohl nicht zum letzten Mal gelesen habe.

Bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07028-6
Originaltitel: Krokodillevogteren
Erstveröffentlichung: 2016
Deutsche Erstveröffentlichung: 2018
Übersetzung: Ulrich Sonnenberg

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