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Lisa Lutz – Little Miss Undercover

Lisa Lutz - Little Miss UndercoverEine Sippe wie die Spellmans hat die Welt noch nicht gesehen. In diesem liebenswerten wie abgebrühten Detektivclan lernt man schon früh das präzise Rund-um-die-Uhr-Beschatten und hinterlistige Erpressen der eigenen Familie. Auch Isabel Spellman kann ein Lied davon singen. Als aber ihre kleine Schwester Rae sie und ihren aktuellen Lover beschatten soll, fasst sie den folgenreichen Beschluss, aus dem Business auszusteigen.

Rezension

Spellman Investigations ist ein Familienbetrieb der besonderen Art. Bei den Spellmans werden die Familienmitglieder früh eingearbeitet, kaum dass sie laufen können. Nesthäkchen Rae, gerade 14 Jahre alt, stemmt munter Observationen und wenn sie von den Eltern keinen Auftrag bekommt, sucht sie willkürlich Fremde auf der Straße heim. Onkel Ray ist zwar lieber als Quartalssäufer, Frauenheld und Pokerspieler unterwegs, doch sofern er ansprechbar ist, wirkt er kräftig bei den Ermittlungen mit. Sohn David hat sich aus dem Familienbetrieb als einziger ausgekoppelt und arbeitet als Anwalt. Im Gegenzug beauftragt er immer wieder die elterliche Detektei mit Ermittlungen für seine Klienten. Ergänzt wird das Team druch die 28-jährige Tochter Isabell, einst ein Musterbeispiel für ein Leben nahe der schiefen Bahn, heute ein gewieftes Teammitglied.

Das Problem der Spellmans ist ihr permanentes Misstrauen, das sich von den observierten Übeltätern längst auf die gesamte Familie übertragen hat. Selbst die Kinder haben ihre Zimmertüren mit einbruchssichern Schlössern ausgestattet, die turnusmäßig ausgewechselt werden. Und Mama und Papa Spellman lassen skrupellos Isabell von Ray oder Rae verfolgen, um mehr über einen neuen Liebhaber zu erfahren. Bei soviel Mangel an Privatsphäre platzt Isabell irgendwann der Kragen und sie kündigt. Kurz darauf verschwindet Rae spurlos und die Familie muss nochmal gemeinsam ran, um Rae unbeschadet aufzustöbern.

So herrlich schwarz der Humor ist, mit dem Lutz die merkwürdige Familie Spellman beschreibt, so sehr bringt einen diese Familie aber auch auf die Palme. Oft genug möchte man den Eltern ein paar hinter die Ohren geben und Isabell beim Abnabeln helfen. So witzig, wie es auf Anhieb aussieht, ist die pathologische Kontrollwut dieser Familie keineswegs. Die junge Rae verhandelt skrupellos, beobachet die Geschwister und erpresst ihre Familienmitglieder ohne mit der Wimper zu zucken. Isabell bekommt keine normale Beziehung auf die Reihe und nennt Männer bereits beim Kennenlernen den “künftigen Ex-Freund Nummer Sowieso”, weil sie sich der Familiengepflogenheiten schämt. Nur leider weiß Isabell nicht, wohin – weil sie seit dem zwölften Lebensjahr nichts anderes gemacht hat als Detetktivarbeit und sie sich keine andere Arbeit zutraut.

Erzählt wird die Geschichte von Isabell in Rückblicken, strukturiert als Verhör durch Inspektor Henry Stone, der die Suche nach Rae leitet (das Inhaltsverzeichnis wirkt viel komplizierter als das Stone’sche Verhör in Wirklichkeit stattfindet, nicht irritieren lassen). Da Isabell ziemlich weit zurück geht, spannt sich vor Stone eine recht ausführliche Familiensaga aus bis hin zu dem Fall, den Isabell als letztes für Spellman Investigations bearbeitet hat und zu dem sie einen möglichen Zusammenhang sucht.

Lutz’ Erzählweise zeichnet ein lebhaftes Bild der Spellmans, das zwischenzeitlich fast vergessen lässt, warum Isabell überhaupt berichtet. Das Ende bemüht sich um einen versöhnlichen Ausklang mit den überwachungsverrückten Eltern und lässt hoffen, dass es in künftigen Bänden zwar skurril, aber gesitteter zugehen möge.

Bibliografische Angaben

Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-84120-462-2
Originaltitel: The Spellman Files
Erstveröffentlichung: 2007
Deutsche Erstveröffentlichung: 2008
Übersetzung: Patricia Klobusiczky
Autorenwebsite

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