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Loel Zwecker – Vom Anfang bis heute

Loel Zwecker - Vom Anfang bis heute. Eine kleine Geschichte der WeltLoel Zwecker nimmt in seiner “kleinen Geschichte der Welt” junge Leser mit auf eine Reise über 4,6 Milliarden Jahre hinweg. Er beginnt ganz früh, noch vor den Dinosauriern, und wandert in dreißig Kapiteln bis ins 21. Jahrhundert.

Man muss sich vor Augen halten, dass Zwecker ein junges Publikum anspricht. Sonst läuft man als Erwachsener Gefahr, abzuspringen, wenn ständig simple und kurze Fragen eingeworfen werden. Warum? Weil man dann vielleicht besser erklären kann. Wie kam es dazu? Vielleicht ist es die Jungendsprache oder man hält sie dafür.

Inhaltlich aber ist Zwecker sehr gut unterwegs. In den ersten Kapiteln kommt natürlich vieles bekannt vor. Und doch: Zwecker geht detaillierter auf Entwicklungen ein als es in der Schule der Fall war. Bei ihm gibt es eine Bewertung, warum einzelne Entwicklungen bedeutend waren, was sie auslösten und welche zum Teil langfristigen Auswirkungen sie hatten. Im Buch begegnet man den Grundlagen der Zeiteinteilung bei den Sumerern und natürlich der Demokratie bei den Griechen.

Loel Zwecker erzählt tatsächlich “Welt”geschichte: Er konzentriert sich wohl auf Europa und die klassischen Quellen unserer Kultur und das, was wir im Geschichtsunterricht lernen. Ägypter, Griechen, Mittelalter, Französische Revolution. Aber er bindet auch andere Kulturen ein, die sonst gerne zu kurz kommen. Sie hätten für meinen Geschmack noch ausführlicher sein dürfen. Trotzdem gilt, dass er erfreulicherweise mehr berichtet als der Geschichtslehrer.

Siddhartha beispielsweise taucht auf und Zwecker erklärt, wie der junge Mann aus wohlhabendem Haus den Buddhismus begründete. Auf Basis seiner Philosophie zur Rücksichtnahme und Friedfertigkeit entstand im 3. Jahrhunder v.Chr. das vermutlich erste Tierschutzgesetz der Welt. Während des Rückblicks in das europäische Mittelalter gibt Zwecker auch einen Rückblick in das, was zu dieser Zeit in Afrika, Amerika, Australien und Asien passierte.

Was die Auswirkungen politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Entwicklungen angeht, wird Loel Zwecker erfrischend deutlich. Das Kapitel zur Eroberung Amerikas wird betitelt mit “Mord unter Palmen” und bei den Chinesen und Japanern macht er ebenso: Die beiden Staaten hielten sich die “europäischen Barbaren vom Leib”, vor allem, nachdem die Chinesen das indische Schicksal mitbekommen hatten.

Was könnte der nächste große Schritt in der Geschichte der Menschheit sein? fragt Zwecker seine Leser zum Abschluss. Klimawandel und Armut sind zwei große Ziele, auf die er hinweist. Verbunden mit einer Schleife zur Politik, denn die ist wohl besser geworden, aber nach wie vor verbesserungswürdig.

“Vielleicht haben wir etwas aus den Diktaturen und Verbrechen gelernt. Wir lassen und nicht mehr so leicht hinters Licht führen.”

Das ist etwas, was ich durchaus hoffe. Wenn man das Buch liest und parallel von autokraten Präsidenten hört, Pressfreiheit bedroht wird, Angriffsdrohungen per Twitter liest, rechstpopulistische Parteien Aufschwung erhalten, Zahlen zum Plastikteppich im Atlantik sieht … Ein Buch wie dieses illustriert kompakt, welche langfristigen Auswirkungen Fehlentscheidungen haben und das über einen großen Zeitraum und viele Fehlentscheidungen hinweg. Besser als auf diese Weise kann man kaum zeigen, wie wichtig es ist, Zukunftsentscheidungen mit dem Wissen über Früher zu treffen. Sonst kriegt man es nicht besser hin.

Bibliografische Angaben

Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10006-5
Erstveröffentlichung: 2018

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