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Magdalen Nabb – Tod im Herbst

Magdalen Nabb - Tod im HerbstDie Tote, die an einem nebligen Herbstmorgen aus dem Arno gefischt wurde, war vielleicht nur eine Selbstmörderin. Aber wer schon würde, nur mit Pelzmantel und Perlenkette bekleidet, ins trübe Wasser des Flusses springen? Überall hieß es, die Frau habe sehr zurückgezogen gelebt. Was für eine Rolle spielten dann die ‘Freunde’, die plötzlich auftauchten? Wachtmeister Guarnaccia in seinem Büro an der Piazza Pitti in Florenz ahnte, daß der Fall schwierig und schmutzig war – Drogen, Erpressung, Sexgeschäfte -, aber daß nur weitere Tote das Dickicht der roten Fäden entwirren sollten, konnte er nicht wissen.

gesprochen u.a. von Ute Hallant, Christian Berkel und Thomas Thieme

Rezension

Montags dreht Wachtmeister Guarnaccia immer seine Hotelrunde im Revier. Dort prüft er Gästebücher und schnackt mit den Concierges über die Befindlichkeiten. Nicht so im guten Hotel Bellariva; normalerweise. Der immer etwas affektierte Empfangschef redet an diesem Tag ausnahmsweise mit Guarnaccia, aber nur, damit der sich des Hundes annimmt, der aktuell ohne Frauchen im Hotel logiert und ihn stört. In Sachen Hund kann der Wachtmeister zwar nicht helfen, wohl aber hilft die Sache mit dem Hund umgekehrt der Polizei: Denn über ihn lässt sich endlich eine weibliche Frauenleiche identifizieren, die vor acht Tagen aus dem Fluss gezogen wurde.

Bei der Toten handelt es sich um die Deutsche Hilde Vogel, die seit Jahren in Italien lebte. Im Bellariva war sie Dauergast, obwohl sie offensichtlich Besitzerin einer Villa in den Bergen war. Die Zahl der Kontakte, die Hilde Vogel überhaupt hatte, ist mühelos überschaubar. Außer mit dem Nachtportier hat sie sich kaum mit jemandem mehr als ein paar Worte unterhalten. Und der Nachtportier wiederum erinnert sich an einen einzigen Besucher in all den Jahren und ein paar Briefe. Die jungen Mieter in der Villa mieteten sich über einen Makler ein und kannten die Frau offensichtlich nicht. Licht ins Dunkel bringen erst eine zweite Leiche und die Schwiegermutter der Toten.

Guarnacci mag diesen Fall nicht und wünscht sich sehr, etwas anderes tun zu dürfen. Der Hang zu Exklusivität bei der Familie Vogel und die schnöseligen Beiteiligten gehen ihm auf die Nerven; zusätzlich ist er nach seiner Versetzung nach Florenz immer noch von seiner Familie getrennt. Sein inniger Wunsch geht zwar nicht in Erfüllung, dafür aber hat Guarnacci dank seiner Gewissenhaftigkeit irgendwann den richtigen Riecher und ordnet die Männer, mit denen Hilde Vogel gesehen wurde, lebensnah und richtig ein.

Magdalen Nabbs Buch wurde in eine Hörspielfassung übertragen und präsentiert sich auf einer CD. Bei diesem Werk wirkt die Bearbeitung wie aus einem Guss; trotz der Kürzungen, die erwartungsgemäß gemacht wurden, wirkt das Hörbuch nicht so, als würden maßgebliche Spuren oder Entwicklungen fehlen.

Bemerkenswert in diesem Fall ist das Ende. Magdalen Nabb sorgt für ein realistisches Ende, damit aber auch für eines, dass in Florenz ein wenig Missmut auslösen dürfte. Nur der Leser weiß am Ende durch einen kleinen Prolog etwas mehr. Viel befriedigender fällt es aber auch nicht aus, da es ziemlich deutlich nach einem Konstrukt zur Leserzufriedenheit aussieht. Wenigstens die sollen mit einer Lösung nach Hause gehen dürfen. Aber auch, wenn das der letzte Eindruck ist, den man vom Buch mitnimmt, so ist es insgesamt der Rückblick auf das Leben eines einsamen Menschen, der ein Mal eine falsche Entscheidung getroffen hat und sich aus den Konsequenzen nie lösen konnte.

Bibliografische Angaben

Verlag: Der Audio-Verlag
ISBN: 978-3-89813-135-3
Originaltitel: Death in Autumn
Erstveröffentlichung: 1985
Deutsche Erstveröffentlichung: 1990

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