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Masako Togawa – Trübe Wasser in Tokio

Masako Togawa - Trübe WasserDer junge Psychiater Dr. Uemura hat zwei Probleme. Das eine ist sein Patient, der Student Akio Tanno, der behauptet, eine Frau umgebracht zu haben. Das andere ist die attraktive Frau Owada, das vermeintliche Opfer. Sie ist quicklebendig und behauptet, Akio Tanno überhaupt nicht zu kennen. Dr. Uemura will der Sache auf den Grund gehen. Doch anstatt dass sich das Rätsel löst, verliert er sich in einem Labyrinth aus Geheimnissen, Obsessionen und Erpressung.

Rezension

Dr. Uemura besucht Frau Owada in ihrem Apartmenthaus, um ein delikates Interview mit ihr zu führen. Der Ehemann, ein Pilot und daher häufig abwesend, vermutet, dass sie Opfer eines Verbrechens wurde. Der potenzielle Täter ist der junge Student Akio Tanno, den Uemura derzeit betreut. Wie im Schreiben des Studenten behauptet, kann es kein Mord gewesen sein, denn Frau Owada kann den Psychologen quicklebendig empfangen. Steht der Mord vielleicht symbolisch für etwas ganz anderes?

Dr. Uemura muss versuchen, das Rätsel zu lösen. Die Polizei kann mangels einer Tat nichts unternehmen, andererseits erscheint die Angelegenheit so seltsam, dass Uemura sich berechtigt Sorgen um Akio Tenno macht. Aber ab dann wird es verwirrend für den Psychologen, denn — abgesehen davon, dass die attraktive Frau Owada bei ihm selbst muntere Phantasien auslöst — pflegt jeder in Owadas Umgebung heimliche Beziehungen und legt sich kleine Parallelwelten an. Uemura lernt die Affäre von Herrn Owada kennen, eine Kommilitonin von Tenno, dessen Professor, eine Kellnerin, und seine Mitarbeiterin von einer neuen Seite. Alles ist voller Sex und Uemura erliegt teils selbst den freizügigen Vorstellungen jener Menschen, bei denen er sich eigentlich nur um Auskünfte zu Akio Tenno kümmern sollte.

Uemuras Nachforschungen sind kompliziert, weil er stets von der psychologischen Seite aus denkt. Klassische Tatmotive eines Ermittlers sind seine Sache nicht, eher die Interpretation von Fakten auf der Suche nach Hemmungen oder Blockaden. Erst die Feststellung, dass Tenno auf einen bestimmten Mädchenvornamen heftig reagiert, bringt ihn schlussendlich auf die richtige Fährte, wenn auch eine, die für den Leser nicht nachvollziehbar bleibt. Wie Uemura das herausgefunden haben will, bleibt im Dunkeln. So unbefriedigend das ist, passt es doch zu Uemuras Arbeit, die mehr assoziatives Stochern ist als logische Deduktion.

Bis heute unklar ist mir leider, ob Uemuras Ermittlungen einen ganz besonderen Stil repräsentieren, eine Persiflage mit einem Antihelden und seinen eigenartigen Methoden oder eine raffinierte Parabel auf die Gesellschaft sind. Vielleicht auch alles zusammen? Ich bin entschlossen, das herauszufinden. Wenn Togawa eine so erfolgreiche Autorin in Japan ist, sollte es einen schlüssigen Grund dafür geben.

Bibliografische Angaben

Verlag: Unionsverlag
ISBN: 978-3-29320-585-7
Originaltitel: Fukai Shissoku, 深い失速
Erstveröffentlichung: 1976
Deutsche Erstveröffentlichung: 1998
Übersetzung: Bettina Thienhaus

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