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Michael Frayn – Willkommen auf Skios

Michael Frayn - Willkommen auf SkiosAuf einer Ferieninsel in Griechenland bereiten sich die Gäste einer amerikanischen Stiftung auf die Ankunft des diesjährigen Gastredners vor. Dr. Norman Wilfred, Autorität auf dem Gebiet der Szientometrie, erweist sich als erstaunlich jung und gutaussehend und ist alles andere als ein verknöcherter Gelehrter. Das findet insbesondere Nikki, die attraktive rechte Hand von Mrs. Toppler, der Mäzenin. Als Nikkis leichtsinnige Freundin Georgie auf einem anderen Teil der Insel auf einen kahlen, missmutigen und orientierungslosen Mann namens Dr. Norman Wilfred trifft, bricht der nackte Wahnsinn aus.

Rezension

Irgendwo inmitten der vielen griechischen Inseln könnte es so eine wie Skios geben: Vielleicht zwanzig Kilometer lang und in bester Lage hat sich eine bedeutende Stiftung zur Förderung wissenschaftlicher und kultureller Inhalte niedergelassen. Der jährliche wissenschaftliche Hauptvortrag dort wird nicht nur von trockenen Wissenschaftlern gehört, sondern hauptsächlich von reichen Mäzenen und Geschäftsleuten, die von Wissenschaft keine Ahnung haben. Aber sie geben einen mondänen Rahmen ab, in dem Geschäfte gemacht werden. Szientometrie ist das Zauberwort des wissenschaftlichen Hauptvortrags in jenem Jahr.

Nikki Hook konnte den Experten auf diesem Gebiet gewinnen, Dr. Norman Winfred, und hofft, sich ausgiebig in dessen Renomée sonnen zu können. Eine leitende Position in der gastgebenden Fred-Toppler-Stiftung wäre ihr ganz lieb. Dummerweise sieht der am Flughafen ankommende Oliver Fox so gut und leger aus, wie sie sich einen Wissenschaftler vorstellt. Fox ergreift die Chance, die ihm die sehnsüchtig träumende Nikki bietet, lässt den Seitensprung mit Georgie sausen und versucht sich als Hochstapler. Der echte Winfred wiederum gerät ohne nennenswerte Griechisch-Kenntnisse an einen Taxi-Fahrer ohne nennenswerte Englisch-Kenntnisse und landet bei der sehnsüchtig wartenden Georgie.

Soviel Durcheinander kann kaum gut gehen. Das kann man sich denken. Oliver Fox hat mit seinem absichtlichen Rollenwechsel noch relativ viel Glück und laviert sich geschickt durch den gesellschaftlichen Event. Norman Winfred jedoch, der unfreiwillig vertauscht wurde, erwischt es weniger gut. Nach mehreren Fehlversuchen gelingt es ihm (wenn auch mit Hängen und Würgen), zur Stiftung zu gelangen. Dort finden sich überhaupt überraschend viele Menschen ein, die irgendwie mit Oliver, Nikki und Georgie verbunden sind. Der Showdown wird entsprechend unübersichtlich.

Das Geschehen auf Skios erinnert an die Komödien der Boulevard-Theater, in die mich meine Eltern immer schleppten und die auch zum Unterhaltungsprogramm im Fernsehen gehörten. Seltsame Verwechslungen, Leute, die sich knapp verpassen, Menschen, die etwas bemerken, aber nichts sagen und am Ende treffen alle plötzlich und unvorbereitet aufeinander. Es gibt Missverständnisse und es gibt meist jemanden, der noch ein ganz eigenes Süppchen kocht. Das plätschert leise vor sich hin bis zum bitteren Ende. Frayn übertreibt übel, aber das fällt kuam auf, weil das grausame Chaos nicht so weidlich ausgebreitet wird wie all die Pannen und Kuriosa zuvor. Das angerichtete Drama geht in irgendeiner Zeile nahezu unter, weil Nikki und Georgie diesen Abend gemütlich ausklingen lassen. Wie auch immer sie das unter diesen Umständen schaffen, aber bei den jungen Frauen kehrt Ruhe ein. Und Oliver Fox kehrt zu seiner Paraderolle als Oliver Fox zurück.

Bibliografische Angaben

Verlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-23976-0
Originaltitel: Skios
Erstveröffentlichung: 2012
Deutsche Erstveröffentlichung: 2012
Übersetzung: Anette Grube

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