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Mohammed Hanif – A case of exploding mangoes

Mohammed Hanif - A case of exploding mangoesAli Shigri, Pakistan Air Force pilot and Silent Drill Commander of the Fury Squadron, is on a mission to avenge his father’s suspicious death, which the government calls a suicide. Ali’s target is none other than General Zia ul-Haq, dictator of Pakistani. Enlisting a rag-tag group of conspirators, including his cologne-bathed roommate, a hash-smoking American lieutenant, and a mango-besotted crow, Ali sets his elaborate plan in motion. There’s only one problem: the line of would-be Zia assassins is longer than he could have possibly known.

Rezension

Ali Shigri kommt aus einem anerkannten und hoch dekorierten Elternhaus: Sein Vater war ein bekannter Colonel bei der pakistanischen Armee mit gutem Ruf. Bis er eines Tages an einem Bettlaken hängend aufgefunden wurde. Offiziell gilt sein Tod als Selbstmord, der Sohn allerdings hat seine Zweifel an dieser Theorie. Täglich geht er seinen Pflichten als Pilot der Luftwaffe und als Trainer einer Silent Drill Einheit nach. Insgeheim aber sucht er eine Möglichkeit, den Tod seines Vaters zu rächen. Shigri macht General Zia ul-Haq, der sich etwas mehr als 10 Jahre zuvor an die Staatsspitze geputscht hatte, für den Tod verantwortlich.

Shigris Geschichte setzt ein, als sein Zimmerkollege Obaid eines Morgens nicht mehr da ist. Shigri macht Meldung und durchläuft routiniert, aber ahnungslos, die folgenden Fragerunden. Wie es aussieht, hat Obaid ein Flugzeug gekapert und Shigris Erkennungssignal benutzt. Shigri kann es sich nicht erklären und hält die Sache für erledigt. Nicht so der Geheimdienst. Dessen Chef General Akhtar, nach General Zia der zweitwichtigste Mann im Staat, lässt Shigri in den Kerker sperren und meint, mehr herausfinden zu können.

Hanif verknüpft die Geschichte von Shigri mit der von Zia, der zu diesem Zeiptunkt bereits massiv an Macht und Selbstbewusstsein eingebüßt hat. Dabei wechselt Hanif nicht nur regelmäßig zwischen diesen beiden Kernfiguren; er springt zudem entlang der Zeitskala hin und her. Szenen vor Obaids Verschwinden wechseln sich mit Szenen danach ab und es empfiehlt sich, am Buch dranzubleiben, sonst werden die Zuordnungen immer schwieriger. Die Sprünge rücken andererseits aber immer mehr Personen in klareres Licht. In Pakistan verfolgen viele Würdenträger innerhalb der Militärdiktatur eigene Ziele. In einem Land, in dem man sich die Macht mühelos heranputschen konnte, ist der effiziente Ausbau der eigenen Macht nur eine Frage der eigenen Skrupellosigkeit und Rafinesse.

General Akhtar gehört zu den Männern, die noch weiter hinauf wollen: Vom zweitwichtigsten Mann zum wichtigsten. Im Weg steht nur einer und den kennt er dank seiner intensiven Abhörtätigkeiten bestens. Aus Zia ist in den Jahren seiner Regierungstätigkeit ein unsicherer Mann geworden, von seiner Frau vor die Tür gesetzt, sich in Paranoia suhlend und überall Mörder sehend. Ihn plagt Wurmbefall und auf Grund seiner Perspektivlosigkeit spielt er mit seinem Koran Weisheiten-Lotto. Als er eines Tages per Koranvers eine in seinen Augen schlechte Prognose bekommt, setzt er seinen Sicherheitscode verängstigt auf die höchste Stufe.

Helfen wird es nicht viel: Das Buch beginnt und endet mit dem 1988 tatsächlich geschehenen Flugzeugabsturz, bei dem Zia, der amerikanische Botschafter sowie ein großer Teil der Regierungsmitglieder ums Leben kamen. Was tatsächlich geschehen war, ließ sich nie eindeutig ermitteln, aber Theorien gab es selbstverständlich viele. Von den Verdächtigen, die seinerzeit gehandelt wurden (darunter CIA, Mossad, KGB oder Indiens Geheimdienst), ist im Buch wenig zu finden. Bei Hanif reichen die Pakistani völlig aus, die Zia an den Kragen wollen. Hanif bringt in seinem Buch eine ganze Handvoll unter und schafft es, am Ende alles konsequent und süffisant zusammen zu führen. Obgleich das Springen zwischen Zeiten und Erzählern manchmal kompliziert wirkt, hält dieser Vortrieb zur Verkettung aller Auslöser das Buch am Laufen.

Das Buch folgt den typischen Grausamkeiten einer Diktatur und nimmt den Leser mit in die Folterkammern oder thematisiert die absurde Verurteilung einer blinden Frau. Dennoch kann das Buch ohne Verdauungspausen gelesen werden. Möglich macht das die satirische Perspektive, mit der Hanif an seine Handlung herangeht. Zia gerät zur Witzfigur, die andere Regierungsgrößen treffen darf, ohne sich mit ihnen staatsmännisch austauschen zu können. In der Militärakademie werden Joints herumgereicht und Akhtar sucht verbissen und eifersüchtig seine Chance. Die diplomatischen Parties des amerikanischen Botschafters werden als sinnfreie und von den Gästen missverstandene Karnevalsgesellschaften dargestellt, die Panzervorführung der US-Amerikaner landet nicht einen Treffer ins Schwarze.

Die explodierenden Mangos waren nur eine der Möglichkeiten, die Zia das Leben gekostet haben könnten. Es lohnt sich nachzulesen, mit was die Mangos bei diesem Flugzeugabsturz in Konkurrenz standen. So sehr man an fremde Geheimdienste oder Staatsvisionen glauben mag, zeigt das Buch durch seine kuriosen Ansätze aber auch, welche merkwürdigen Kleinigkeiten einem mächtigen Staatsmann den Tag versauern können. Vielleicht war am Ende auch nur eine Krähe schuld?

Bibliografische Angaben

Verlag: Knopf
ISBN: 978-0-3072-6807-5
Erstveröffentlichung: 2008

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