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Patricia Highsmith – Der talentierte Mr. Ripley

Patricia Highsmith - Der talentierte Mr. RipleyTom Ripley wird gebeten, Richard Greenleaf, den Sohn eines amerikanischen Bootsbauers, zu einer Rückkehr aus Europa zu bewegen. Viel Lust hat Toms nicht, aber etwas Abwechslung nimmt er gerne wahr. Richards Vater stattet ihn großzügig mit Geld aus und Tom trifft nach einer erholsamen Kreuzfahrt südlich von Neapel ein. Bald ist er mit Richard gut befreundet, von einer Heimreise ist keine Rede. Tom gewöhnt sich an den sorglosen Lebensstil der Süditaliener, der ihm durch Richards Geld noch schmackhafter gemacht wird. Und irgendwann bietet sich die Gelegenheit, wie er weiterhin in den Genuss dieses Geldes kommen könnte, ohne auf Richard Rücksicht zu nehmen.

Rezension

Die Geschichte um Tom Ripley ist die Geschichte eines durchschnittlichen Typen, der sich mit Betrug und Finten das Leben zu bereichern sucht. Mit dem Leben unzufrieden, will er mehr für sich herausholen, ohne einen Finger dafür krumm zu machen. Tom hat keine Freunde, ist von seinem Umfeld genervt und angewidert. Leider besitzt er weder den Mumm noch den Grips zu erkennen, dass er selber dazu gehört bzw. sich selbst in dieses Umfeld gebracht hat. Was ihn fasziniert, ist das süße Nichtstun, das Leben ohne Verpflichtungen. Er möchte am liebsten von Beruf Sohn sein, so wie Dicke Greenleaf, den er im Auftrag dessen Vaters aus Italien in die USA zurückholen soll. Nach Wochen des Dahinlebens bei Dickie will Tom seinen Aufenthalt in Europa mit aller Macht verlängern – erscheint ihm dieses Leben doch wie eine Erfüllung.

Mir ist klar geworden, dass ich mit sehr hohen Erwartungen an das Buch gestartet bin. Die Kritiken feiern seit Jahren einen “Meilenstein der Krimiliteratur”, sind von einer “charmanten” Hauptperson fasziniert und beteuern, man verfalle ihr und fiebere mit ihr. In diesen und ähnlichen Hymnen ergehen sich die Lobreden. Nur: Ripley war für mich nie eine sympathische, talentierte, geschweige denn eine schillernde und anziehende Figur. Im Gegenteil. Ich fragte mich, wie Ripley solche Beschreibungen hervorrufen konnte. Das war auch der Grund, warum ich den Roman beim ersten Anlauf nach einer Handvoll Kapiteln wieder weggelegt habe. Die Rückmeldungen zum Buch bauten Erwartungen auf, die ich bei weitem nicht erfüllt sah.

Tom wirkt auf mich komplexbeladen und verzweifelt. Er beginnt einen riskanten Balanceakt, der ihn mehr fordert als vermutet und voller Fallstricke steckt. Er würde die Konsequenzen seiner Missetaten tragen, aber nicht aus vollem Schuldbewusstsein, sondern einfach, weil er keine Kraft und keine Lösung hat, dem zu entkommen und merkt, dass es zuviel wird. Und dann ist es weniger mühsam, sich dem Schicksal zu ergeben statt weiter ängstlich “auf der Flucht zu sein” und ständig nach Ausreden und plausiblen Ausflüchten suchen zu müssen.

Ripley ist das absolute Gegenteil eines typischen Helden. Gerade zur Entstehungszeit des Buches brach Highsmith mit Ripleys Charakter und seinem Status als Mörder und Betrüger einen Standard. Mit dem anderen Standard brach sie mit dem ewigen Tenor im Buch, Ripley könne offensichtlich unbehelligt davon kommen. Und einen dritten Standard brach sie, als sie Ripleys mögliche Vorliebe für Männer andeutete. Verständlich, dass der Roman in den 1950ern Aufsehen erregte.

Das erhoffte atemberaubende Buch habe ich nicht gefunden, aber die Zeit war nicht zu 100 Prozent zu schade. Gut zwar, dass ich es gelesen habe, aber ein Wiedersehen wird es dennoch nicht geben. Ich habe den leisen Verdacht, dass die damals aufsehenerregenden Details heute nicht mehr so intensiv wirken und das Buch von der Zeit überholt wurde.

Bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 325723404X
Originaltitel: The talented Mr. Ripley
Erstveröffentlichung: 1955
Deutsche Erstveröffentlichung: ?

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