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Paul Rosenhayn – Der Fall Pompejus Pym

Paul Rosenhayn - Der Fall Pompejus PrymDie Verhandlung gegen Pompejus Pym steuert unaufhaltsam einer Verurteilung entgegen, denn ein Zeuge will gesehen haben, wie der ehemalige Bedienstete das Hausboot seiner Dienstherrin angezündet hat. Doch Detektiv Joe Jenkins legt alles daran, die Wahrheit zu Gunsten Pyms herauszufinden.

Rezension

Dass Pompejus Pym verurteilt wird, zweifelt kaum jemand an: Nach Jahren wird ihm der Prozess gemacht, nachdem plötzlich Schmuck seiner damals bei einem Brand ums Leben gekommenen Dienstherrin in seinem Besitz aufgetaucht ist. Wie sollte das anders geschehen sein als durch Mord? Pym beteuert seine Unschuld, doch in New York hat er 1929 schlechte Karten. Er ist nicht nur ehemaliger Bediensteter, sondern auch noch Schwarzer und in den Augen der Meisten damit unglaubwürdig. Detektiv Joe Jenkins allerdings glaubt Pyms Geschichte und versucht, das Geschehen damals zu rekonstruieren. Denn er glaubt an Pyms Unschuld, aber auch Pym sagt nicht die ganze Wahrheit.

Ich habe schon lange keinen so alten Krimi mehr gelesen. Ein bisschen Einlesen muss sein, denn die Geschichten sind kürzer und durchaus etwas anders gemacht. Diese hier umfasst etwas mehr als fünfzig Seiten und ist perfekt für einen Abend auf dem Sofa – und die nächste Geschichte von Jenkins gleich hinterher.

Rosenhayn hat eine clevere Konstruktion gebastelt, die er langsam aber sicher mit einigen Kniffen und Wendungen auflöst. Stets werden scheinbar klare Sachverhalte wieder umgeworfen, bis am Ende Pompejus Pym tatsächlich seine Unschuld mit Joe Jenkins’ Hilfe beweisen kann. Ein bisschen vorhersehbar war die Geschichte insofern, dass ich entweder mit meinen Ahnungen richtig lag oder eine Wendung schnell in eine Ahnung einordnen konnte. Nichts desto trotz, dem Lesespaß hat es gar nicht so weh getan.

Sehr interessant war das Eintauchen in die Klassengesellschaft von Damals. Strenge Hierarchien gliedern nach Hautfarbe und was einmal ist, dabei bleibt es: Pym ist inzwischen Hotelbesitzer und damit erfolgreicher als die meisten Personen im Gerichtssaal, aber seine Hautfarbe entzieht ihm die Anerkennung dafür. Mutig ist da schon die Frau des Staatsanwalts, die von Pym groß gezogen wurde und für ihr verteidigendes Plädoyer Hiebe einstecken muss: Ihr Verhör wird mit dem Hinweis abgebrochen, sie beleidige amerikanische Gerichte und das amerikanische Volk.

Meisterdetektiv Joe Jenkins löst am Ende ein verwirrendes Gespinst aus Schwindeleien auf und Rosenhayn gibt bei dieser Gelegenheit gleich noch eine Handvoll zeitgenössische Moral mit auf den Weg.

Nachtrag 2017: Die Geschichte war ein Zufallsfund im Internet: Unter dem Titel Criminalbibliothek sammelte einst eine Webseite alte Krimis des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese Seite gibt es inzwischen nicht mehr, der Titel ist als Ebook aber immer noch zu finden.

Bibliografische Angaben

Verlag: Josef Singer Verlag
ISBN: —
Erstveröffentlichung: 1929

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