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Stephan Ludwig – Zorn: Vom Lieben und Sterben

Stephan Ludwig - Zorn: Vom Lieben und SterbenHauptkommissar Claudius Zorn und Hauptkommissar Schröder müssen sich mit einer Einbruchserie in der städtischen Kleingartenanlage herumschlagen.Der Fall ist schnell geklärt, eine Clique von Jugendlichen hat die Einbrüche aus Langeweile begangen. Doch dann ist eine Junge aus der Clique tot. Er war gerade einmal 18 Jahre alt und wurde klatblütig ermordet. Als ein Freund des Opfers, auch er Teil der Clique, stirbt, ist Zorn genervt – ein Mord pro Woche hätte auch genügt. Aber genau wie Schröder ist ihm sofort klar, dass hier jemand gezielt und durchdacht vorgeht, seine Opfer ganz genau auswählt. Sie vielleicht sogar kennt. Als es endlich eine erste vage Spur gibt, ist die Zeit bis zum nächsten Mord bereits abgelaufen. Und Zorn kann sich einfach keinen Reim darauf machen, weshalb Schröder sich plötzlich so merkwürdig verhält.

Rezension

Ein bisschen unbeherrscht ist er, Kommissar Zorn, der zu einem schaurigen Mord an einem jungen Radfahrer gerufen wird. Mit ihm bereichert sich die Szene unangenehmer Zeitgenossen um einen weiteren Mann, der gerne pampt, zickt oder schlechte Laune an anderen auslässt. Er hat mehr von einem bockigen Vierjährigen, der kein Eis bekommt, als von einem kauzigen Einzelgänger.

Kann man soviel schlechte Erziehung oder mangelnde Selbstbeherrschung verknusen, bekommt man einen rasanten Krimi, der wenig Atempause lässt. Schon kurz nach dem ersten Mordfall taucht eine zweite Leiche in üblem Zustand auf. Und damit hat einen das Buch am Haken: Die Clique, zu der beide Opfer gehörten, bietet zwar die immer gesuchte Verbindung zwischen zwei Opfern, aber warum diese Clique überhaupt existiert, bleibt für die Polizei ein Rätsel. Damit fehlt dieser freilich auch der erste Schlüssel, der zum Täter führen könnte. Könnte. Denn Stephan Ludwig dreht und wendet die Geschichte mehrmals in der Pfanne, bevor er das Ende serviert. Die Polizei rennt einem Täter hinterher, der sie an der Nase herumzuführt.

Auch der Leser wird gequirlt. Mehrmals tauchen Ideen auf, die sich am Ende als richtig erweisen. Doch kaum ist so eine Idee auf dem Tisch, scheint sie auf mehr als wackeligen Füßen zu stehen. Kindesmissbrauch zieht sich als roter Faden durch das Buch. Ein wichtiges Thema, allerdings auf blutrünstige Art hochgezogen. Die Morde und die Motivation dazu rangieren auf der Blutigkeitsskala recht weit oben. Die Technik für den ersten Mord hatte unter anderem schon Ian Fleming drauf, aber nimmt man alles andere zusammen, schwappt das Blut über. Die Überlast an Grausamkeiten macht manche Passagen zum Horrorfilm auf Papier und ist gewiss nichts für Jedermann, mag der Krimi insgesamt noch so spannend und flott geschrieben sein.

Man kann sich auf Zorn auch einlassen, wenn man den ersten Fall nicht kennt. Der Einstieg fällt leicht und nirgends gibt es kryptische Hürden und Anspielungen. Positiv schlägt zu Buche, dass Ludwig nicht der Struktur folgt, den Leser an einen ganz konkreten Ort hinzunehmen. Freilich gibt es eine (erkennbare oder recherchierbare) Basis, damit sich die Handelnden irgendwo bewegen können. Doch diese Stadt kann überall sein. Was beim Thema Kindesmissbrauch auch ganz gut so ist, denn im Buch sieht man (wenn man den Blutschleier abgewischt hat) an einigen Stellen durchaus, wo der Umgang mit dem Thema Grenzen hat, krankt oder unsichtbar gemacht wird.

Ein weiterer Band mit Zorn? Für mich eher nicht. Obwohl Tempo und Rätselfaktor hoch sind, schätze ich weder die angebotene Blutrünstigkeit noch die untypische Anhäufung an Macken, die vom ungehobelten Zorn bis zur schweren Psychose des Täters reichen.

Bibliografische Angaben

Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-19507-7
Erstveröffentlichung: 2012

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