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Stephan Pörtner – Köbi Santiago

Stephan Pörtner - Köbi SantiagoErmittler Köbi Robert hat sich im Westen Spaniens eingerichtet, nachdem sein voriger Fall zwar mit viel Geld für ihn endete, aber auch mit der Befürchtung, in der Schweiz polizeilich gesucht zu werden. Augerechnet auf der Quintana de los muertos in Santiago de Compostela, dem Platz der Toten, begegnet ihm ein alter, totgeglaubter Freund. Der bittet Köbi um Hilfe und darum, dafür mit ihm in die Schweiz zu fahren. Um der alten Zeiten willen lässt sich Köbi auf die Fahrt ein und gerät prompt in eine neue Ermittlung. Umfangreicher als geplant.

Rezension

Köbi Robert hat sich in Spanien eingerichtet und genießt sein Leben abseits der Zürcher Heimat. Sein letzter Fall hat ihm viel Ärger beschert und umso lieber mag er der Schweiz weiter den Rücken kehren. Doch die Begegnung mit Mark Haussmann verändert seine Pläne: Mit Mark hat Köbi aktiv die Zürcher Haschszene mitgestaltet, bei politischen Demos mitgewirkt und viel durchgemacht. Der totgeglaubte Mark möchte in Begleitung von Köbi zurückkehren und seine Tochter kennenlernen. Ein einfache Pflicht unter Freunden, die Köbi da einlöst. Doch in Zürich angekommen, muss er feststellen, dass wohl noch alte Rechnungen offen sind. Es wird ungemütlich in Zürich.

Alleine, dass sich Mark und Köbi begegnen, lässt schwere Ahnungen aufkommen: Denn Mark gilt seit einer Auseinandersetzung unter Hanfanbauern als tot. Köbi erinnert sich während seines Aufenthalts in Zürich immer wieder vornehmlich an die Achziger, in denen die Geschäfte mit Hanf freilich illegal waren, aber etwas von Abenteuer hatten, mit pfiffigen Finten und raffinierten Täuschungsmanövern. Wohlgemerkt auch unter den Augen der Polizei, die die vielen Freaks und Hippies nicht ganz so hart an die Kandare nahm, wie das später der Fall wurde. Aus dem unangepassten, Anti-Spießer-Treiben wurde ein hartes Geschäft mit härteren Regeln. Und manch ein Kumpel der ersten Stunde wurde mit der Professionalisierung des Drogenmarktes unter der Führung neuer Macher lieber zum ganz normalen Arbeitnehmer mit Familienleben.

Köbi, der still gewordene Ermittler, muss wieder seinem Beruf nachgehen und folgt den alten Kontakten. Über alte Zeiten aber reden die nicht wirklich gerne und unter den spärlichen Informationen sind plötzlich viele Hinweise darauf, dass Mark viel zu gute Kontakte zur Polizei hatte und Köbi stößt auf viel Verbitterung über vermeintlichen Verrat. Wieviel davon ist wahr und was davon wirkt so stark bis heute nach, dass er innerhalb kurzer Zeit zwei Tote auffindet?

Der Krimi lebt von der intensiven Schilderung, wie in der engen, puritanischen Stadt Zürich die ersten Wellen der Hippies und Unangepassten schwappten. Wie Köbi feststellt, fand 1968 in Zürich erst viele Jahre später statt und er selbst war mittendrin. Er trifft die alten Kumpel und merkt, was aus ihnen geworden ist – nicht immer zu deren Vorteil, aber immer ein Anlass, sich an die alten Zeiten zu erinnern. Insofern nimmt der Krimi seinen Leser mit auf eine ganz spezifisch Zürcher Zeitreise, die den Hintergrund für die aktuellen Ermittlungen bildet. Selbst der Polizeikontakt, den Köbi trifft, ist von der alten Garde. Er arbeitet regelkonform, aber sehr gewitzt und ist am Ende derjenige, der das Problem Mark Haussmann zu lösen weiß.

Für diesen Krimi muss man – und das ist positiv zu vermerken – nicht unbedingt einen der drei Vorgänger kennen. Köbi Santiago steht sehr gut für sich alleine. Doch Köbi ist eine Figur, von der man sicher mehr lesen möchte und die einen für die anderen Bücher von Pörtner einnimmt.

Bibliografische Angaben

Verlag: Bilgerverlag
ISBN: 978-3-908-01089-0
Erstveröffentlichung: 2016

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