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Winifred Watson – Miss Pettigrews großer Tag

Winifred Watson - Miss Pettigrews großer TagLondon in den 1930er Jahren. Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Miss Pettigrew, einer nicht mehr ganz jungen Gouvernante. Nun soll sie eine neue Stelle antreten, doch statt bei einer Familie mit ungezogener Kinderschar landet sie bei der Nachtclubsängerin Delysia LaFosse. In der mondänen Welt von Miss LaFosse gilt es, drei Männer gleichzeitig in Schach zu halten, und so muss Miss Pettigrew notgedrungen selbst in das aufregende Glamour-Dasein eintauchen, um Ordnung in das Liebesdurcheinander zu bringen. Und das wird ihr Leben innerhalb nur eines Tages für immer verändern.

Rezension

Hin und wieder gräbt ein Verlag in alten Veröffentlichungen und sorgt für eine Neuauflage alter Schätze. So geschehen ist es auch bei Winifred Watson, die in den 1930er Jahren ihre Bücher bestens verkaufte. Sechs Romane stammen aus ihrer Feder; die Geschichte von Miss Pettigrew wurde 1938 publiziert und wurde zum Bestseller. Dasselbe gelang auch bei der Wiederveröffentlichung Jahre später, wobei man gleich noch eine Verfilmung hinterher schickte.

Die Verfilmung bräuchte ich noch nicht einmal; Kopfkino bietet Watsons Buch in ausreichender Menge. Die Bilder gleichen den Screwball-Komödien aus Hollywood, wo sich die elegante Schar der gestriegelten Darsteller spitzzüngige und schlagfertige Dialogschlachten lieferte. Mit einem Unterschied hier: Miss Pettigrew ist gar nicht so elegant. Die schon etwas ältere Gouvernante gerät aus Versehen in den falschen Haushalt, wo sie statt eines Bewerbungsgesprächs zunächst eine verschlafene Hausherrin erwartet. Im mondänen Haus der Sängerin Delysia LaFosse kommt sie sich völlig fehl am Platze vor. Dort sieht es just so aus wie in den Filmen, die sie sich ein Mal pro Woche im Kino gönnt. Die sonst so beherrschte Frau kriegt die Kurve nicht. Ganz gegen ihre sonstigen Prinzipien geht sie nicht, sie klärt die Hausherrin nicht auf und findet unerklärlichen Gefallen an der legèren Lebensart von Miss LaFosse. Prompt gerät sie mitten hinein in die Neusortierung des LaFosse’schen Haushaltes, in dem zwei Liebhaber zu viel enthalten sind. Ihre langjährige Berufserfahrung kommt Miss Pettigrew dabei auf ganz unerwartete Weise zugute.

Das Buch spielt tatsächlich an diesem einen Tag. Die sechzehn Kapitel sind nach Uhrzeiten eingeteilt, mal zwei Stunden Spannweite, mal zwanzig Minuten. Los geht es morgens um 9:15 in der Londoner Arbeitsvermittlung und Miss Pettigrew ist völlig untypisch für sie weit nach 3:40 mitten in der Nacht nachweislich noch putzmunter. Noch dazu in geliehener Kleidung, geschminkt und voll von zahllosen, verwirrenden, überwältigenden Eindrücken. Aber glücklicher als je zuvor und vor allem mit einem völlig neuen Blick auf ihre persönliche Zukunft.

Miss Pettigrew ist ein putziges Märchen und amüsante Unterhaltung. In dieser Hinsicht wirklich großes Kino. Die Geschichte ist nicht wahnsinnig nachhaltig. Aber man nimmt defintiv ein Lächeln mit in den Tag, ganz egal, an welcher Stelle man eine Lesepause einlegt.

Bibliografische Angaben

Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47560-5
Originaltitel: Miss Pettigrew Lives for a Day
Erstveröffentlichung: 1938
Deutsche Erstveröffentlichung: 2009
Übersetzung: Martina Tichy

 

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