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Foto: Janine Rumrich

Zürich kapert die Timeline

Ein hoffnungslos unvollständiger Rückblick auf “Zürich liest” #zl16

Anmerkung: Der Post war ursprünglich ein Storify und wurde im März 2018 vor der Schließung des Anbieters in einen Blogbeitrag umgewandelt.

Zürich liest – das größte Schweizer Literaturfestival, öffnete Ende Oktober seine Pforten in der Region Zürich. Es ist immer ein Erlebnis und niemals eine leichte Entscheidung – wohin, bei all den vielversprechenden Veranstaltungen zwischen Zürich, Winterthur und Uster?

Unter dem offiziellen, knackigen Hashtag #zl16 verprach das Festival in diesem Jahr ein Twittergewitter. Damit uns in der Timeline nicht langweilig wurde, trudelte namhafter Besuch aus Deutschland ein: Die offiziellen Festivalblogger @cafehaussitzer Uwe Kalkowski, @buzzaldrins Mara Giese, @Kapri_zioes Janine Rumrich, @buch_bloggerin Friederike Kipar samt @pinkfisch Sarah Reul. Meine Familie versorgte ich ohnehin schon ständig mit meinen eigenen Plänen und dank all der aktiven #zl16-Twitterer (insgesamt posteten mehr als ein Dutzend) ließ ich mir von der Timeline am laufenden Band von den Veranstaltungen berichten. Das Wochenende über war ich also nur mit Handy in der Hand zu sehen.

Das Programm für mich ging am Freitag los, an dem ich hinter die Kulissen beim Diogenes Verlag schauen durfte.

Es geht bei diesem Festival um Literatur und Bücher, deshalb zeig’ ich euch mal Tweets zu diesem Thema:

Darf man nicht vergessen, diesen Hinweis, denn sonst könnte man bei einer Reihe von anderen Tweets etwas aus dem Konzept kommen.

Kann man sich vom Essen loseisen, ist das Festival eine großartige Gelegenheit, sich mit anderen Literaturmenschen zu treffen. Man muss sie nur erwischen …

Da sind sie, die fünf aus Deutschland. Janine kannte ich bereits seit dem legendären Literaturcamp in Heidelberg (einfach mal #litcamp16 nachschlagen …) und Friederike hatte ich immerhin schon mit seitenweise Tokyo-Tipps eingedeckt (und meine Sache wohl ganz gut gemacht, denn sie wollte in Japan bleiben). Dennoch: Vier davon traf ich tatsächlich zum ersten Mal persönlich und das hat mich wirklich gefreut.

Janine und Friederike hatten offenbar mehr Glück, denn Tabea verpasste ich – dabei war sie zu derselben Zeit in demselben Haus! Das ist ein Kunststück, das man uns erst einmal nachmachen muss!

Im Gegenzug liefen mir @adibuma Monika Schubarth und @buecherinmeinerhand Anya geradezu regelmäßig über den Weg. Wenn es auch nicht so viele Schweizer Buchblogger gibt, leben doch die meisten offenbar im Großraum Zürich und das Festival ist also auch für uns ein Treffpunkt. Spätestens zu #zl17 erwische ich dann auch Tabea. Versprochen.

Zürich ist eine tolle Stadt und man fühlt sich sehr schnell wohl hier:

Schön zu hören 😉 Und schön anzuschauen:

Freitag Abend faszinierten mich die Tweets von zwei Veranstaltungen besonders. In einer Krypta las Nadja Küchenmeister Lyrik – den Fotos nach zu urteilen in einer beeindruckenden Atmosphäre, nur spärlich beleuchtet. Lyrik selber lesen? Nein, nichts für mich. Aber Lyrik in so einem Ambiente vorgelesen bekommen? Klar doch!

Und dann die Pyjamaparty im Hotel! “Im Bett mit Thomas Meyer” stand in der Ankündigung und das musste wörtlich genommen werden. Bisher schrieb übrigens niemand davon, dass auch die Zuschauer mit Schlafanzug aufkreuzten. Das muss im kommenden Jahr geändert werden, oder?

Thomas Meyer selbst las zwar aus einem anderen Buch, logo, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass das Krohn’sche Buch irgendwie mit dieser Pyjamaparty zu tun hat … ihr auch?

Samstag! Da machte ich alles anders. Freitag kam ich mit dem Auto und ich frage mich in Zürich jedes Mal, warum ich mir das antue – vor allem, wenn ich direkt in die City will. Nach fast 40 Minuten war ich auf dem Rückweg immer noch nicht so weit durch die Stadt, dass ich die rettende Höhe vom Bahnhof erreicht hatte. Also Bahn.

Mein Ziel war das Dreiverlagshaus in der Neptunstraße, die Heimat vom Unionsverlag, von Dörlemann sowie Nagel & Kimche. Einem der Twitterer war übrigens aufgefallen, dass das Namensschild vermutlich das am häufigsten gepostete Motiv des Tages, wenn nicht sogar des ganzen Festivals gewesen sei.

Überhaupt, diese Geheimtipps von Lucien Leitess, dem Verleger … da fielen mir ein paar Titel auf, die ich sehr schätze und in beiden Fällen sind in Deutschland jeweils viel zu wenig Bände davon übersetzt worden. Der eine Autor (kein Name, es sind ja Geheimtipps) ist Japaner und da schimpfe ich ja generell, dass es zu wenig davon auf Deutsch gibt (ja, ich weiß, ich bin befangen). Über diese Titel kamen wir ins Gespräch und dass die Bücher danach aus dem Regal auf den Schreibtisch wanderten, “eine Prioritätsstufe weiter”, wirkte dezent pulsbeschleunigend.

Im Büro des Chefs wurde es danach sehr eng. Die drei Verlage tauschten untereinander an jenem Tag höchst fleißig Stühle aus und Petra Ivanov kam am Ende kaum noch in den Erker für ihre Lesung.

Ich hätte Petra Ivanov durchaus in der Tram erleben können, denn in jedem Jahr liest sie auch auf einer Rundfahrt durch Zürich. Aber das klappte bisher nicht. Entweder waren wir weg oder die Karten waren weg. Die Chancen in der Neptunstraße waren für mich also per se besser. Kleiner Trost: Ich befinde mich in guter Gesellschaft:

… und staube bei dieser Gelegenheit noch einen Tipp für Zürich ab. James Joyce.

Das große Finale am Sonntag verbrachte ich wie im Jahr zuvor in Winterthur (für’s Protokoll: mit dem Auto). Auf der Bühne des Casinotheaters moderierte der langjährige Nahost-Korrespondent Werner van Gent ein Gespräch mit den Krimiautoren Celil Oker und Petros Markaris. Es wurde ein aufschlussreiches Gespräch über Istanbul, aber auch über die aktuelle Situation des Landes nach dem Putschversuch im Juli.

Das großartige Festival ist zu Ende, aber ich nehme ein paar Tipps mit und kann wenigstens ein paar der Dinge, die ich verpasst habe, nachholen. Das eine davon ist, mal bei der Zürcher Museumsgesellschaft vorbei zu schauen.

Das andere ist die Ausstellung Gomringer & Gomringer im Strauhof, die öfter in der Timeline auftauchte und die Begeisterung für die Exponate war jedenfalls ansteckend.

Wir sehen uns auf alle Fälle 2017 in Zürich wieder!


Foto: Janine Rumrich

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